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08/Jul/2020

Wie Medizinalcannabis bei chronischen Schmerzen wirkt, ist sehr gut erforscht. So gilt medizinisches Cannabis als nebenwirkungsarme Therapieoption bei der Behandlung von chronischen Schmerzen. Das hat jetzt auch wieder eine Beobachtungsstudie aus Kanada gezeigt.

Was ist der Unterschied zwischen akuten und chronischen Schmerzen?

Ein Akutschmerz ist auf eine Verletzung oder eine Schädigung zurückzuführen und in der Regel auf den Entstehungsort begrenzt, wie beispielsweise bei einem Beinbruch. Das Ausmaß der Schmerzintensität hängt dabei von der Verletzung ab. Die Beschwerden enden, wenn die Verletzung verheilt ist.

Von chronischen Schmerzen wird gesprochen, wenn sie seit mindestens drei Monaten bestehen. Die Ursachen sind meist nicht erkennbar oder die Schmerzen bestehen fort, obwohl die Ursache behoben ist. Infolge dessen bildet sich eine eigenständige Erkrankung und das Gehirn entwickelt ein Schmerzgedächtnis.

Behandlung von chronischen Schmerzen

Die Therapie gestaltet sich oft schwierig. Deshalb kommt in der Regel eine multimodale Therapie, also eine Kombination aus unterschiedlichen Behandlungen, zum Einsatz. Hierzu gehören beispielsweise physikalische Therapien, psychologische Therapien oder auch komplementäre Verfahren wie Naturheilverfahren.

Neben diesen Therapieoptionen spielen auch Medikamente in der Schmerzmedizin eine wichtige Rolle. Klassische Schmerzmedikamente wie Paracetamol, ASS oder Ibuprofen können Schmerzen lindern. Allerdings können diese Arzneimittel bei einer langfristigen Einnahme schwere Nebenwirkungen verursachen.

Bei sehr starken Schmerzen werden auch häufig Opioide oder Opiate verordnet, die nicht nur starke Nebenwirkungen verursachen können, sondern auch ein hohes Abhängigkeitspotenzial besitzen.

Ergebnisse der Studie

Kanadische Forscher aus Toronto haben in einer prospektiven Beobachtungsstudie mit 751 chronischen Schmerzpatienten über einen Zeitraum von zwölf Monaten gearbeitet, die mit einer medizinischen Cannabis-Behandlung begonnen haben.

Im Ergebnis heißt es, dass sich die Schmerzschwere bei den Patienten nach einer einmonatigen Behandlung verbesserte und sich über den zwölfmonatigen Zeitraum nicht verschlechterte. Innerhalb von drei Monaten konnten auch signifikante Verbesserungen bei der physischen und psychischen Gesundheit beobachtet werden. Außerdem nahmen Symptome wie Kopfschmerzen, Angst, Übelkeit und Müdigkeit bei den Patienten ab.

Besonders interessant ist, dass Patienten, die Opioidmedikamente einnahmen, die Dosis durch die Verwendung von medizinischem Cannabis reduzieren konnten.


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01/Jul/2020

Einschlaf- und Durchschlafstörungen (Insomnie), die über einen längeren Zeitraum anhalten, können die Gesundheit ernsthaft gefährden. In einer randomisierten klinischen Doppelblindstudie konnten Forscher jetzt zeigen, dass eine Therapie mit medizinischem Cannabis wirksam sein kann.

Die Ursachen von chronischen Schlafstörungen können vielfältig sein. Häufig werden sie durch psychische Belastungen, Stress und ungünstige Schlafbedingungen verursacht. Auch verschiedene neurologische Erkrankungen, wie zum Beispiel das Restless-Legs-Syndrom oder chronische Schmerzen können das Einschlafen erschweren und dazu führen, dass Betroffene keinen erholsamen Schlaf bekommen. Ebenso kann die Einnahme von Medikamenten (z. B. Schilddrüsenhormone oder Antidepressiva) sowie illegalen Drogen zu Schlafproblemen führen.

Aufgrund des Schlafmangels zeigen sich Symptome wie Tagesmüdigkeit, Nervosität, innere Unruhe sowie Konzentrations- und Auffassungsstörungen. Schlafstörungen können außerdem die seelische Stabilität beeinträchtigen, sodass infolge dessen Depressionen oder Angststörungen auftreten. Auch das Immunsystem leidet unter Schlafstörungen.

Behandlung von Schlafstörungen

Die Therapie richtet sich nach der Ursache. Liegen psychische Probleme vor, kann eine Psychotherapie oder eine kognitive Verhaltenstherapie sinnvoll sein. Hilfreich kann für Betroffene auch das Erlernen von Entspannungsverfahren (z. B. autogenes Training oder Meditation) sein.

Für Betroffene ist es auch wichtig, auf eine gesunde Ernährung und die richtige Schlafhygiene zu achten. Mithilfe von speziellen Verhaltensregeln können Betroffene einen gesunden Schlaf fördern.

Schlafmittel kommen in der Regel nur bei schweren Fällen zum Einsatz, da sie zum einen ihre Wirksamkeit nach kurzer Zeit verlieren und zum anderen schnell ein Gewöhnungseffekt eintritt. Problematisch ist zudem, dass die Schlafstörungen wieder auftreten, wenn das Medikament abgesetzt wird.

Medizinisches Cannabis als Therapieoption

Im Rahmen einer aktuellen randomisierten klinischen Doppelblindstudie wurden 23 Probanden 14 Nächte lang mit medizinischem Cannabis behandelt. Nach einer einwöchigen Ausspülphase erhielten sie wiederum 14 Nächte lang ein Placebo. Die Probanden nahmen eine Einzeldosis mit 11,5 Milligramm Cannabinoiden oder eine Doppeldosis mit 23 Milligramm Cannabinoiden mittels sublingualer Lösung ein.

Im Ergebnis heißt es, dass die mit medizinischem Cannabis behandelten Probanden schneller einschliefen und auch signifikant länger schliefen. Weiter berichteten die Probanden, dass sich ihre Lebensqualität verbesserte, sie sich weniger gestresst und weniger müde fühlten. Außerdem fühlten sie sich nach dem Schlaf besser ausgeruht.


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25/Jun/2020

Wenn eine Krankenkasse über einen Leistungsantrag nicht innerhalb kurzer Frist entscheidet, gilt dieser als genehmigt (Genehmigungsfiktion). Das Bundessozialgericht hat jetzt jedoch entschieden, dass die Genehmigungsfiktion keinen Anspruch auf beantragte Sachleistung begründet. Nun befürchten Patientenvertreter, dass dieses Urteil für Patienten Nachteile bringen wird.

Der behandelnde Arzt eines Patienten beantragte bei der Krankenkasse die Versorgung mit dem Medikament Fampyra im Off-Label-Use zur Behandlung seiner Gangstörung, die im Rahmen der zerebellaren Ataxie bei kernspintomographisch nachgewiesener Kleinhirnatrophie auftritt. Denn die Gangstörung verbesserte sich nach einem vorausgegangenen Therapieversuch mit privatärztlicher Verordnung.

Fampyra ist jedoch nur für den Einsatz bei Gangstörungen infolge Multipler Sklerose zugelassen, sodass die Krankenkasse eine Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) forderte und dies dem Patienten auch mitteilte. Aufgrund des Gutachtens des MDK lehnte die Krankenkasse dann die beantragte Versorgung mit Fampyra mit der Begründung ab, dass die Voraussetzungen eines Off-Label-Use nicht gegeben seien.

Fristversäumnis durch die Krankenkasse

Nachdem der Patient den Bescheid der Krankenkasse angefochten hatte, wurde die Krankenkasse vom Sozialgericht Speyer dazu verurteilt, den Patienten entsprechend der ärztlichen Verordnung mit Fampyra zu versorgen (S 17 KR 57). Die Berufung der Krankenkasse hatte das Landessozialgericht Rheinland-Pflanz zurückgewiesen, da die Krankenkasse den Antrag nicht innerhalb der gesetzlichen Frist beschieden habe und die Krankenkasse die Versorgung mit dem Medikament aufgrund der Stellungnahme des Arztes auch subjektiv für erforderlich halten dürfen (L 5 KR 218/17).

Bundessozialgericht hebt Urteil auf

Im aktuellen Urteil des Bundessozialgerichts heißt es, dass der Patient keinen Leistungsanspruch auf die Versorgung mit Fampyra aufgrund der eingetretenen Genehmigungsfiktion (Fristversäumnis) besitzt. Die Leistungsklage sei unbegründet. Zwar bestehe bei Nichteinhaltung der Frist durch die Krankenkasse ein Anspruch auf Kostenerstattung, jedoch entfalle der bisherige Anspruch auf eine Sachleistung.

Sollten dem Versicherten die finanziellen Mittel fehlen, um sich die Sachleistung zu beschaffen, so gehe auch der Kostenerstattungsanspruch durch die spätere Ablehnung der Krankenkasse verloren. Denn die Krankenkasse ist trotz Fristversäumnis weiterhin berechtigt, eine Entscheidung zum Leistungsantrag zu fällen, so die Unabhängige Patientenberatung (UPD) laut einem Medienbericht.

Schwächung der Rechtsposition der Versicherten

In dem Medienbericht heißt es weiter, dass die UPD von einer „unglücklichen Entwicklung und einer Schwäche der Rechtsposition der Versicherten“ spreche. So befürchte die UPD, dass das BSG-Urteil dazu führe, dass noch mehr Versicherte vor der Durchsetzung ihrer Ansprüche zurückschrecken würden. Außerdem sei die Durchsetzung der Ansprüche unmöglich, wenn Menschen nicht über die finanziellen Mittel verfügen, um in Vorleistung zu gehen.

VdK kündigt Verfassungsbeschwerde an

In einem weiteren Medienbericht heißt es, dass die Präsidentin Verena Bentele vom VdK Sozialverband nun eine Verfassungsbeschwerde einreichen werde.

„Wir bedauern es, dass der Erste Kasseler Senat den Krankenkassen einen Blankoscheck für langsames Arbeiten ausstellt. Das Urteil benachteiligt einseitig die gesetzlich Versicherten. Für uns ist das Gleichheitsgebot verletzt. Wir werden Verfassungsbeschwerde erheben“, so Bentele vom VdK.

 


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24/Jun/2020

In den Ergebnissen einer placebo-kontrollierten Studie vom Center for Applied Health Science in Stow, USA, heißt es, dass CBD-haltige Cannabisextrakte den HDL-Cholesterin-Wert der Probanden verbesserte.

Cholesterin ist eine fettähnliche Substanz, die an zahlreichen wichtigen Aufgaben im Organismus beteiligt ist, wie zum Beispiel den Stoffwechselvorgängen im Gehirn. Gleichzeitig ist das Cholesterin aber auch ein wichtiger Ausgangsstoff für die Bildung von Vitamin D und bestimmten Hormonen (z. B. Testosteron und Östrogen) sowie für die Produktion von Gallensäuren zur Fettverdauung.

Cholesterin kann im Blut nur dann transportiert werden, wenn sich die fettähnliche, wasserunlösliche Substanz (Lipid) mit den wasserlöslichen Eiweißstoffen verbindet. Die hieraus entstehenden Lipoproteine werden abhängig von ihrem Proteinanteil nach ihren verschiedenen Dichten eingeteilt, und zwar in Very-Low-Density-Lipoproteine (VLDL), Low-Density-Lipoproteine (LDL) sowie High-Density-Lipoproteine (HDL).

Aufgrund des hohen Lipidgehalts wird das LDL auch als „schlechtes“ Cholesterin und das HDL als „gutes Cholesterin“ bezeichnet. Wenn der LDL-Cholesterin-Wert im Blut dauerhaft erhöht ist, können Gefäßverkalkungen entstehen. Infolge dessen kann es unter anderem zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzinfarkten und Schlaganfällen kommen.

Ergebnisse der Studie

An der Studie nahmen 65 übergewichtige Probanden teil. Diese bekamen täglich über einen Zeitraum von sechs Wochen entweder ein Hanfölextrakt [Hanf, 60 mg/d PlusCBDTM Hanföl-Extrakt (15 mg aus Hanf gewonnenes CBD)] oder ein Placebo. Alle Probanden sollten dabei ihre Ernährungsgewohnheiten und sportlichen Aktivitäten beibehalten und nicht verändern.

In der Hanf-CBD-Gruppe verbesserte sich das HDL-Cholesterin signifikant. Zudem berichteten die Probanden aus dieser Gruppe, dass sich Stressgefühle reduzierten. Auch die Schlafqualität habe sich verbessert.
Darüber hinaus führten die Forscher aus, dass die Hanf-CBD-Kombination von den Probanden gut vertragen wurde.


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17/Jun/2020

Die Washington State University hat die Ergebnisse einer Beobachtungsstudie veröffentlicht. Hierin heißt es, dass Patienten, die unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden, ihre Symptome wie Flashbacks, Angst und Reizbarkeit mithilfe von medizinischem Cannabis reduzieren konnten.

Bei Menschen, die eine Extremsituation durchlebt haben, besteht das erhöhte Risiko, dass sie eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) zu entwickeln. Solche Extremsituationen können beispielsweise schwere Unfälle, lebensbedrohliche Erkrankungen, Misshandlungen im Kinder- oder Erwachsenenalter sein. Aber auch das Miterleben von Kriegen, Gefangenschaft oder Terroranschläge können Auslöser dieser psychischen Erkrankung sein.
Diese muss nicht zwangsläufig direkt nach der traumatischen Erfahrung auftreten. Noch Wochen, Monate oder sogar Jahre später können sich verschiedene Symptome zeigen.

Typische Symptome äußern sich in Form von Intrusionen und Flashbacks, wenn Betroffene von den aufkommenden Erinnerungen an das Trauma überwältigt werden. Meist werden Intrusionen und Flashbacks von Schlüsselreizen ausgelöst. Also wenn beispielsweise ein Kriegsopfer einen lauten Knall hört oder ein Brandopfer vielleicht Rauch riecht. Weitere Symptome einer PTBS können sich wie folgt äußern:

  • Albträume
  • Schweißausbrüche
  • Herzrasen und Atemnot
  • Schwindel
  • Zittern
  • Angst, Reizbarkeit und Nervosität
  • Depression

Behandlung einer PTBS

Betroffene benötigen vor allem eine psychologische Betreuung und in schweren Fällen auch einen stationären Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik. Dabei besteht die Therapie in der Regel aus den drei Phasen Schaffung einer sicheren Umgebung, Stabilisierung und Traumaüberwindung.

Eine medikamentöse Therapie kommt meist nur zum Einsatz, wenn Betroffene zum Beispiel unter starken Schlafstörungen, Unruhezuständen, Angstzuständen oder Depressionen leiden. Verschiedene Studien haben bereits gezeigt, dass medizinische Cannabis bei einer PTBS unterstützend eingesetzt werden kann, um die Symptome zu lindern.

Ergebnisse der aktuellen Beobachtungsstudie

404 medizinische Cannabiskonsumenten mit einer PTBS verwendeten über einen Zeitraum von 31 Monaten eine App, um Veränderungen ihrer Beschwerden (Flashbacks, Intrusionen, Angst, Reizbarkeit) in Abhängigkeit von unterschiedlichen Cannabissorten und -dosen vor und nach der Inhalation zu verfolgen.

Im Ergebnis heißt es, dass sich die Symptome nach der Inhalation des medizinischen Cannabis um mehr als 50 Prozent reduzierten. Im weiteren Verlauf war auch ein Rückgang der Intrusionen und Reizbarkeit zu verzeichnen, insbesondere bei höheren Dosen.

Die Forscher der Washington State University erklärten, dass medizinisches Cannabis vorübergehend zur Linderung der PTBS-Symptome eingesetzt werden könne. Als langfristiges Mittel sei es laut den Forschern möglicherweise nicht geeignet, da die Betroffenen in der Beobachtungsstudie die Dosis mit der Zeit immer weiter erhöhten. Dies könne auf die Entwicklung einer Toleranz hindeuten.

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32469819/


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