Begleiterhebung: Schmerzen wichtigster Grund für medizinisches Cannabis 

Februar 24, 2021
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Fast dreiviertel der Menschen, die in Deutschland Cannabisarzneimittel auf Rezept erhalten, setzen diese zur Behandlung von Schmerzen ein. Von diesen Patient*innen nehmen 70 Prozent eine Verbesserung der Symptome wahr. Das zeigt das Zwischenergebnis der Cannabisbegleiterhebung des BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte). 

Wofür wird medizinisches Cannabis eingesetzt? 

Mit 73 Prozent wird der Löwenanteil aller Cannabis-Rezepte in Deutschland zur Therapie von Schmerzen ausgestellt. Danach folgen mit einem großen Abstand die Behandlung von Spastik (10 %), Anorexie/Wasting (6%) und weitere Leiden (10%). Die Ärzt*innen verordnen in 65 Prozent der Fälle Dronabinol, danach folgen Cannabisblüten, Sativex, mit zunehmender Tendenz Cannabisextrakte und auf dem letzten Platz Nabilon.  

Welche Fachgruppen verordnen Cannabis? 

Die größte Gruppe der Cannabis verordnenden Ärzt*innen sind die Schmerzmediziner (Anästhesiologen) mit einem Anteil von 49 Prozent. Danach folgen die Fachgruppen Allgemeinmedizin (17 %), Neurologie (12 %) und Innere Medizin (10 %). 

Wie erfolgreich ist die Cannabistherapie? 

In der größten Gruppe der Cannabispatient*innen, den Personen mit Schmerz als primär behandeltem Symptom, empfanden 34 Prozent ihre Schmerzen als deutlich verbessert und 36 Prozent als moderat verbessert. Somit konnte medizinisches Cannabis bei insgesamt 70 Prozent der Schmerzpatient*innen die Leiden lindern. 28 Prozent gaben an, ihre Schmerzen seien unverändert. 

Bei den Menschen mit Multipler Sklerose als Hauptdiagnose verbesserte sich die Spastik bei 41 Prozent deutlich und bei 43 Prozent moderat. 

35 Prozent der Cannabispatient*innen haben ihre Therapie innerhalb eines Jahres abgebrochen. Bei 25 Prozent  der Fälle lag das an den Nebenwirkungen und bei fast 40 Prozent an nicht ausreichender Wirkung der Therapie. In 21 Prozent der Fälle verstarb die betroffene Person – auch das wird in der Begleiterhebung als Therapieabbruch gewertet. 

Private Rezepte nicht erfasst 

Bei diesen Ergebnissen muss immer im Blick behalten werden, dass die Begleiterhebung nicht alle in Deutschland mit Cannabisarzneimitteln therapierte Patient*innen erfasst: Die Daten von Selbstzahlern, Privatversicherten, stationär und im Rahmen von klinischen Studien behandelten Personen werden nicht übermittelt. Darüber hinaus wird auch für die Personen keine Erhebung erstellt, die die Fertigarzneimittel Sativex und Canemes entsprechend den zugelassenen Anwendungsgebieten erhalten. 

Cannabisbegleiterhebung – was ist das? 

In Deutschland sind Ärztinnen und Ärzte, die medizinisches Cannabis auf Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung verschreiben, verpflichtet, an einer Begleiterhebung zur Anwendung dieser Arzneimittel teilzunehmen. Die Erhebung wird vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) durchgeführt. Dieses Institut hat nach drei Jahren eine Zwischenbilanz gezogen mit mehr als 10.000 Datensätzen, die bis zum Stichtag der Auswertung am 11.05.2020 vorlagen. Ein Jahr zuvor hatte das BfArM bereits ein Zwischenergebnis auf Basis der bis dahin ausgewerteten Daten veröffentlicht. 

Ziele der Erhebung sind das Monitoring von Nebenwirkungen und der Verträglichkeit der Cannabisprodukte. Darüber hinaus soll die Untersuchung zeigen, bei welchen Indikationen Cannabis verschrieben wird. Die Ergebnisse sollen als Grundlage für die Planung späterer klinischer Studien dienen.  

Quelle: 

Schmidt-Wolf, G., Cremer-Schaeffer, P. 3 Jahre Cannabis als Medizin – Zwischenergebnisse der Cannabisbegleiterhebung. Bundesgesundheitsbl (2021). https://doi.org/10.1007/s00103-021-03285-1 

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