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23/Sep/2020

Die Zwangsstörung (obsessive-compulsive disorder – OCD) ist eine psychische Störung, bei der Patienten unter Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen leiden. Obwohl den Patienten bewusst ist, dass dieser Zwang übertrieben ist, müssen sie dem Drang nachgeben. Je nach Ausprägung und Schweregrad der Erkrankung, ist das Alltagsleben von Patienten erheblich beeinträchtigt.

Die Ursachen sind nicht endgültig geklärt. Diskutiert werden psychologische Erklärungsmodell sowie Störungen im Hirnbotenstoffwechsel als Risikofaktor. Zudem gibt es Hinweise auf die Beteiligung verschiedener andere Signalwege, wie zum Beispiel des glutamatergen, dopaminergen oder GABAergen Systems.

Zwangsstörung: Beteiligung des Endocannabinoidsystems

Verschiedene Untersuchungen, insbesondere eine kleine Anzahl von Tierversuchen, geben Hinweise darauf, dass das Endocannabinoidsystem an der Pathophysiologie der Zwangsstörung beteiligt sein könnte.

Im Jahr 2019 veröffentlichten Forscher der Columbia University eine Übersichtsarbeit zu dem Thema, ob das Endocannabinoidsystem ein neues Behandlungsziel für Zwangsstörungen sein könnte. Neben einer umfassenden Übersicht über Endocannabinoide und Phytocannabinoide führen die Forscher auch Daten aus verschiedenen Studien aus.

In zwei Fallberichten heißt es, dass die Behandlung mit Dronabinol bei zwei Patienten mit therapierefraktärer Zwangsstörung positive Ergebnisse zeigte. Auch die Daten aus einer kleinen offenen, unkontrollierten Studie zeigten, dass die Kombination aus Nabilon und Psychotherapie wirksamer war als jede Behandlung allein.

Zusammenfassend führen die Forscher aus:

„Gibt es in der Psychiatrie einen Platz für cannabinoid-basierte Medikamente? Studien an Tieren und Menschen haben gezeigt, dass das Endocannabinoidsystem ein wichtiger Regulator der Emotionalität ist. Aber wie können wir dieses Wissen für die Therapie nutzen? Dieser Übersichtsartikel bietet eine kritische Bewertung der Beweise, die sich auf Zwangsstörungen konzentrieren und Hinweise auf zukünftige Forschungen geben.“

Medizinisches Cannabis zur Behandlung des Tourette-Syndroms

Patienten mit dem Tourette-Syndrom leiden unter chronischen vokalen und/oder motorischen Tics, die oftmals mit komorbidem obsessivem Zwangsverhalten assoziiert sind. Verschiedene Untersuchungen und klinische Studien haben in der Vergangenheit gezeigt, dass Patienten mit dem Tourette-Syndrom von einer Behandlung mit medizinischem Cannabis profitieren können. Nach der Einnahme verschiedener cannabisbasierter Arzneimittel (Sativex, medizinische Cannabisblüten) berichteten die Patienten über eine Verbesserung der Tics.

Aktueller Fallbericht eines Patienten mit einer Zwangsstörung

In einem Fallbericht wurde ein 22-jähriger Patient vorgestellt, der seit seiner Kindheit unter einer schweren Zwangsstörung leidet. Unter der Behandlung mit medizinischem Cannabis reduzierten sich die Symptome der Zwangsstörung signifikant. Ebenso verbesserte sich auch seine Depression, was zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität führte.

Quelle:
https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-05/mali-cch053119.php
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32848902/


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11/Sep/2020

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat für den Anbau von medizinischem Cannabis in Deutschland eine Menge von 10,4 Tonnen über vier Jahre ausgeschrieben. Diese Menge reicht jedoch bei Weitem nicht, um den Bedarf zu decken. Die Importabhängigkeit wird voraussichtlich bestehen bleiben.

In der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der FDP-Fraktion heißt es, dass sich der Importbedarf von medizinischem Cannabis in den Jahren 2015 bis 2019 vervierzehnfacht habe. In diesem Jahr musste das BfArM wie auch in den vergangenen Jahren nachträglich die Erhöhung der Importmenge beantragen, und zwar um 75 Prozent. Laut der Bundesregierung seien Lieferengpässe jedoch nicht zu erwarten.

Kompliziertes Importverfahren statt Stärkung der heimischen Produktion

Die Bundesregierung regelt die Versorgung mit Medizinalcannabis über ein genehmigungspflichtiges Importverfahren. Im Vorhinein muss die Bundesopiumstelle den voraussichtlichen Bedarf bis zum 30. Juni dem BfArM sowie dem Internationalen Suchtstoff-Kontrollamt der Vereinten Nationen (INCB) melden.

Die Schätzung des Bedarfs umfasst medizinische Cannabisblüten für die direkte Abgabe an den Patienten sowie Cannabisblüten für die Herstellung von Extrakten, Dronabinol und Fertigarzneimitteln. Ebenso müssen die Mengen an Cannabis berücksichtigt werden, die für klinische Prüfungen und Forschungen benötigt werden.

„Die Schätzung erfolgt auf Grundlage der bis zum 30. Juni eines Jahres vorliegenden Verbrauchsdaten, deren Entwicklung innerhalb des vorhergehenden Jahres und unter Berücksichtigung der bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern am legalen Betäubungsmittelverkehr vorliegenden Bestandsmengen“, so die Bundesregierung.

Bedarf an medizinischem Cannabis steigt kontinuierlich

An der vorgenannten Vorgehensweise kritisiert die FDP, dass der Bedarf an Medizinalcannabis kontinuierlich steigt und dass die geschätzten Mengen nicht angepasst werden. Laut dem Online-Magazin apotheke adhoc lag die genehmigte Einfuhrmenge im Jahr 2015 bei 1485 Kilogramm, im Jahr 2016 bei 1500 Kilogramm, im Jahr 2017 bei 10.380 Kilogramm, im Jahr 2018 bei 10.688 Kilogramm und im Jahr 2019 bei 20.774 Kilogramm. In all den Jahren musste immer eine Nachschätzung vorgenommen werden, da die importierte Menge nicht ausreichte.

Die genehmigte Einfuhrmenge für das Jahr 2020 liegt bei 16.100 Kilogramm. Das sind über vier Tonnen weniger als im Jahr 2019.

„Da ein Überschreiten dieses Wertes vor Ablauf des Jahres 2020 erwartet wird, hat das BfArM beim INCB bereits eine Erhöhung der Menge im Rahmen einer Nachschätzung des voraussichtlich zusätzlichen medizinischen und wissenschaftlichen Bedarfs für das Jahr 2020 über insgesamt 12.355 Kilogramm beantragt“, erklärte die Bundesregierung.

Die Antwort des INCB steht noch aus.

Weiter erklärte die Regierung, dass die Erhöhung der Anbaumengen in Deutschland nicht geplant sei. Laut apotheke adhoc kritisierte FDP-Gesundheitspolitiker Dr. Wieland Schinnenburg, dass dies eine vertane Chance sei. Gleichzeitig fordert er, den Cannabisanbau im Land zu stärken.

„Die geplanten Ernten in Deutschland decken nur einen Bruchteil des tatsächlichen Bedarfs. Wir müssen die Abhängigkeit von Importen minimieren und die Produktionsmengen in Deutschland erhöhen. Auch der lukrative Exportmarkt sollte deutschen Unternehmen eröffnet werden. Es gibt keinen Grund, deutsche Unternehmen zu benachteiligen und sie vom Weltmarkt auszuschließen“, so Dr. Schinnenburg.

Quellen:
https://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/214/1921416.pdf
https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/politik/cannabis-bfarm-verschaetzt-sich/

 


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02/Sep/2020

Der Verband der Cannabis versorgenden Apotheken (VCA) spricht sich jetzt laut dem Onlinemagazin DAZ.online für eine Rezeptpflicht für CBD-Produkte aus. Aus Sicht des VCA sei jedoch die Einstufung von Cannabidiol (CBD) als Betäubungsmittel nicht notwendig.

In vielen Apotheken steigt die Nachfrage nach CBD-Produkten, denn diesen wird eine beruhigende, einschlaffördernde und schmerzlindernde Wirkung zugeschrieben. Problematisch ist jedoch, dass die CBD-Produkte nicht nach standardisierten Verfahren hergestellt werden und deshalb auch keine Studien zur Wirkweise existieren. Hinzu kommt, dass die rechtliche Lage in Deutschland unklar ist. So sind einige Produkte als Nahrungsergänzungsmittel und andere als Medizinprodukte erhältlich.

Weiter heißt es in dem Bericht, dass „CBD-Zubereitungen nach NRF-Rezeptur (Ölige Cannabidiol-Lösung 100 mg/mL NRF 22.10. und ölige Cannabidiol-Lösung 50 mg/mL NRF 22.10.) nicht verschreibungspflichtig sind. Das CBD-Medikament Epidyolex sei jedoch verschreibungspflichtig, was die Apotheker verunsichere und es stelle sich die Frage, ob das Inverkehrbringen von CBD-Produkten zulässig sei.

CBD-Produkte: Keine Einstufung als Betäubungsmittel

In einer Stellungnahme erklärte der VCA, dass CBD nicht als Betäubungsmittel eingestuft werden müsse. Denn CBD entfalte keine psychotrope Wirkung. Auch bestehe nicht die Gefahr einer Abhängigkeit. Stattdessen wäre es notwendig, dass CBD-haltige Produkte der Rezeptpflicht unterstellt werden sollten.

„CBD ist ein wichtiger Inhaltsstoff der Cannabispflanze, der sowohl die Wirkung von THC beeinflussen, als auch selbst durch seine Fähigkeit, spezielle Rezeptoren des körpereigenen Endocannabinoidsystems zu aktivieren, signifikante Wirkungen auslösen kann“, so der VCA laut dem Medienbericht.

Dem VCA zufolge besitze CBD ein großes therapeutisches Potenzial. Hieraus resultiere, dass das Cannabinoid als Arzneimittelwirkstoff eingestuft werden müsse – genauso wie das CBD-Medikament Epidyolex. Die Einstufung als Nahrungsergänzungsmittel sieht der VCA kritisch.

„Die zuerst durchweg positive Berichterstattung in diversen Zeitschriften sowie eine verkaufsfördernde Beweihräucherung auf unzähligen Herstellerseiten im Internet weckte bei den Menschen die Neugier auf dieses potenzielle Allheilmittel“, so der Verband. „CBD ist aber mehr als nur eine Hoffnung für Patienten und hat mit seiner noch wenig erforschten, aber sehr guten pharmakologischen Wirkung die Chance verdient, als wirksames Arzneimittel wahrgenommen zu werden“, so der VCA.

CBD-Produkte: Rezeptpflicht als Lösung?

Als Lösung sieht der VCA, dass CBD-Produkte als rezeptpflichtige Zubereitungen oder Fertigarzneimittel über Apotheken vertrieben werden.

„Eine Einordnung von CBD als standardisierte verschreibungspflichtige Substanz, ob als Rezeptur oder als Fertigarzneimittel wie Epidyolex, ergänzt durch die Erstattungsfähigkeit im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung reicht in den Augen des VCA vollkommen aus, um CBD die Möglichkeit zu geben, sich da zu entfalten, wo es auch wirklich ankommen muss: Beim erkrankten Menschen, der Hilfe braucht“, erklärt der VCA abschließend in seiner Stellungnahme.

Quellen:
https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2020/08/26/cannabis-apotheker-fordern-rezeptflicht-fuer-cbd-produkte/chapter:1

Stellungnahme des VCA zur angedachten Einstufung von Cannabidiol (CBD) als Betäubungsmittel (BtM)


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26/Aug/2020

Der israelische Wissenschaftler Dr. Raphael Mechoulam ist ein Pionier in der Cannabiswissenschaft. Bereits in den 1960er Jahren isolierte er die Cannabinoide Cannabidiol (CBD) und Tetrahydrocannabinol (THC).

Im Herbst 2019 gab der Wissenschaftler dann bekannt, dass er ein neues synthetisches Cannabinoid entdeckt habe. Dieses sei laut seinen Angaben potenter als CBD oder THC. Nach mehrmonatigen Testreihen fanden Mechoulam und sein Forscherteam heraus, dass die neue Verbindung namens Cannabidiolsäure-Methylester (EPM301) wirksam bei der Therapie von Entzündungen, Übelkeit und Angstgefühlen sein könnte.

Gemeinsam mit seinem Forscherteam der US-amerikanischen Biotech-Firma EPM ließ er die neue Verbindung patentieren. Bei EPM301 handelt es sich um die synthetische Version einer natürlichen Säure, die in der Cannabispflanze vorkommt. Dabei ist schon lange bekannt, dass die Cannabispflanze zahlreiche Säuren, wie zum Beispiel CBDA oder THCA, enthält und dass diese sehr wirksam sein können. Jedoch sind diese Säuren sehr instabil.

Modifizierung und Stabilisierung von Säuren

Die Instabilität der Säuren macht es schwer, sie aus der Cannabispflanze zu isolieren, sodass sie für medizinische Zwecke einsatzbereit sind. Jedoch scheinen Mechoulam und EPM eine Möglichkeit gefunden zu haben, die Säuren zu modifizieren und auch zu stabilisieren. Hierfür nutzten die Forscher einen Veresterungsprozess. Das bedeutet, dass zwei Chemikalien zu der stabilen Ester-Verbindung verbinden.

Laut einem Medienbericht erklärte Mechoulam hierzu, dass EPM eine Methode entwickelt habe, „um mit den ursprünglichen Substanzen von Cannabis zu arbeiten“. Gegenüber dem Forbes-Magazin führte er weiter aus:

„Während also alle über THC und CBD diskutieren, sind diese Cannabinoide eigentlich eine sekundäre Substanz; sie erscheinen erst später in der Pflanze. Ursprünglich gibt es eine Säure, die in der Pflanze vorkommt, und diese Säuren sind diese geheimnisvollen Welten von Verbindungen, die viel stärker sind als Cannabinoide“.

Therapeutisches Potenzial des neuen Cannabinoids

In den letzten Monaten haben Mechoulam und EPM begonnen, das therapeutische Potenzial des neuen Cannabinoids EPM301 zu erforschen. Erste Untersuchungsergebnisse haben ergeben, dass das Cannabinoid vermutlich in der Lage ist, Ängste zu lindern und Übelkeit zu unterdrücken, ohne dass Nebenwirkungen auftreten. Auch gegen Entzündungen soll EPM301 wirksam sein. Weitere Untersuchungen, insbesondere klinische Studien seien jedoch notwendig, um diese ersten positiven Ergebnisse bestätigen zu können.

Quellen:
https://www.hanf-magazin.com/news/dr-raphael-mechoulam-isoliert-neues-cannabinoid-mit-medizinischem-potenzial/?fbclid=IwAR2xrfTEp3LEBnK3c4wh3Ld2VZ_uHN7Eydeo7RSk6R_vAtjvvGcRxE51Kfg
https://www.forbes.com/sites/javierhasse/2020/07/12/dr-mechoulam/


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19/Aug/2020

Im Mai dieses Jahres haben wir bereits über Studien berichtet, in der die Wirkung von Cannabidiol (CBD) auf die Lungenkrankheit COVID-19 untersucht werden soll. So planen israelische Forscher klinische Studien an Patienten durchzuführen, um herauszufinden, inwieweit CBD in der Lage ist, das Immunsystem zu regulieren und Entzündungen zu hemmen. Neben der Wirkung von CBD auf COVID-19 wollen die Forscher auch das therapeutische Potenzial von Cannabis mit all seinen Cannabinoiden untersuchen.
Die Ergebnisse einer Studie, die an der Augusta University of Georgia in den USA durchgeführt wurde, sind jetzt veröffentlicht worden.

Die meisten Corona-Infektionen verlaufen mild. Patienten, die jedoch schwer an COVID-19 erkranken, sind auf eine intensivmedizinische Versorgung angewiesen und müssen im schlimmsten Fall sogar beatmet werden, da eine Entzündungsreaktion in der Lunge entsteht. Die Lunge wird dann mit entzündungsfördernden Botenstoffen regelrecht überflutet, sodass Mediziner von einem „Zytokinsturm“ sprechen. Gegen diesen scheint der aktuellen Studie zufolge das nicht-psychoaktive Cannabinoid CBD zu helfen.

Ergebnisse der Studie

Bei einigen Patienten verursacht COVID-19 eine übermäßige Produktion von entzündungsfördernden Stoffen wie den Interleukinen IL-6 und IL1ß. Aufgrund der Entzündungen wird die Funktion der Lunge stark beeinträchtigt. So ist sie kaum noch in der Lage, Sauerstoff aus dem Blut aufzunehmen und Kohlendioxid in das Blut abzugeben. Infolge dessen wird das Lungengewebe geschädigt und der Patient muss beatmet werden.

Die Forscher stellten in Tierversuchen fest, dass CBD in der Lage war, das Infektionsgeschehen und die Körpertemperatur zu senken. Gleichzeitig regenerierte sich die Lunge schneller. Außerdem konnte CBD die Sauerstoffversorgung verbessern.

Klinische Studien sind notwendig

Obwohl die Ergebnisse der Studie vielversprechend sind, fehlen klinische Studien. Vor allem um herauszufinden, wie eine Behandlung mit CBD bei Patienten aussehen könnte. Zudem führen die Forscher aus, dass das Coronavirus weitere Organe angreifen kann. Deshalb sind weitere Studien notwendig, um die Wirkung von CBD auf weitere durch den Virus geschädigte Organe wie Herz, Gehirn und Darm zu untersuchen.

https://www.liebertpub.com/doi/10.1089/can.2020.0043


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13/Aug/2020

Für die Prophylaxe im Mundraum werden häufig antiseptisch wirkende Mundspülungen (Mundwasser) verwendet. Diese sollen abhängig von den Inhaltsstoffen, wie zum Beispiel Chlorhexidin, Cetylpyridiniumchlorid, Floride oder Alkohol, wirksam gegen Zahnfleischentzündungen, Zahnerosionen, Zahnbelag oder Karies sein.

Belgische Forscher haben jetzt eine interessante Untersuchung durchgeführt, bei der sie Mundwasserprodukte mit den Cannabinoiden Cannabidiol (CBD) und Cannabigerol (CBG) versetzten und diese von Probanden testen ließen.

Cannabinoide und ihre antiseptische Wirkung

Die Cannabispflanze enthält neben den bekannten Cannabinoiden Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) mehr als 100 weitere Cannabinoide, wozu auch Cannabigerol (CBG) gehört. Dass CBD eine entzündungshemmende und antiseptische Wirkung entfalten kann, haben bereits verschiedene Studien gezeigt.

Das Cannabinoid CBG ist weniger gut erforscht, jedoch rückt es immer mehr in den Fokus der Wissenschaft. So werden CBG ebenfalls entzündungshemmende und antibakterielle Eigenschaften zugeschrieben. Besonders interessant ist, dass CBG in Verbindung mit weiteren Cannabinoiden wie CBD ähnlich wirken könnte wie Antibiotika. Dies zeigt eine Studie aus dem Jahr 2008, wobei die genauen Mechanismen noch unbekannt sind.

Ergebnisse der Studie

Die Mundwasserprodukte enthielten weniger als ein Prozent der Cannabinoide CBD und CBG. Um die Wirksamkeit zu vergleichen, schlossen die Forscher zwei herkömmliche Mundwasserprodukte (Produkt A und Produkt B) in die Untersuchung ein. Als positive Kontrolle wurde Chlorhexidindigluconat 0,2 Prozent benutzt. Getestet wurden die Produkte an Plaque-Proben von 72 Erwachsenen.

Im Ergebnis führen die Forscher aus, dass die mit CBD und CBG versetzten Mundwasserprodukte im Durchschnitt eine ähnliche bakterizide Wirksamkeit bei den getesteten Proben zeigten wie Chlorhexidin 0,2 Prozent.

Hingegen war bei Produkt A keine signifikante antimikrobielle Wirkung zu verzeichnen, außer dass in neun Proben eine geringe Hemmung auftrat. Auch bei Produkt B konnte in keiner Probe eine Hemmung nachgewiesen werden.
Laut den Forschern zeigen diese Ergebnisse das Potenzial von CBD und CBG, sodass Mundwasser- und Mundpflegeprodukte mit Cannabinoiden die nächste Generation ohne Alkohol und ohne Fluorid sein könnten.

https://jcannabisresearch.biomedcentral.com/articles/10.1186/s42238-020-00027-z

 


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15/Jul/2020

Mehr als 300 von 1000 Menschen leiden unter wiederkehrenden Spannungskopfschmerzen. Über Migräne klagen ungefähr 150 von 1000 Menschen und unter Cluster-Kopfschmerzen ein bis zwei Menschen von 1000. Dabei sind Frauen etwas häufiger von chronischen Kopfschmerzen betroffen als Männer.

Für einen Großteil der Betroffenen bedeuten Kopfschmerzattacken die Unterbrechung ihres normalen Tagesablaufes. In schweren Fällen halten die Kopfschmerzen sogar mehrere Tage an. Begleitende Symptome wie Übelkeit und Erbrechen, Appetitlosigkeit, Überempfindlichkeit gegenüber Lärm sowie Lichtscheu sind zusätzlich belastend.

In akuten Fällen können Schmerzmittel und Migränemedikamente zwar Linderung verschaffen, diese können jedoch teils erhebliche Nebenwirkungen auslösen.

Verschiedene Studien legen nahe, dass medizinisches Cannabis eine nebenwirkungsärmere Therapieoption sein könnte. So vermuten Forscher, dass ein klinischer Endocannabinoidmangel eine Ursache unterschiedlicher Krankheiten wie Migräne sein könnte. Aus unterschiedlichen Erfahrungsberichten ist zudem bekannt, dass medizinisches Cannabis sowie frei käufliches CBD-Öl gegen chronische Schmerzen im Akutfall eine Minderung der Symptome hervorrufen können. Allerdings steht die Forschung hier noch im Anfang.

Ergebnisse der Studie

Dass die Behandlung von chronischen Kopfschmerzen vielversprechend sein könnte, zeigt eine kleine Studie, die an der Thomas-Jefferson-Universität durchgeführt und auf der virtuellen Jahrestagung der US-amerikanischen Kopfschmerzgesellschaft vorgestellt wurde.

48 Patienten mit Migräne oder anderen chronischen Kopfschmerzarten nahmen an dieser Studie teil. Diese erhielten zwischen Januar und September 2019 eine Behandlung mit medizinischem Cannabis in inhalativer oder oraler Form. Einen telefonischen Nachbefragungsbogen füllten 28 Teilnehmer aus.

Im Ergebnis heißt es, dass 3 von den 28 Teilnehmern die Cannabis-Therapie eingestellt hatten. Vor Therapiebeginn nahmen 46,4 Prozent der Teilnehmer mindestens zehn Tage pro Monat Schmerzmedikamente ein. Diese Rate sank während der Cannabis-Behandlung auf 25 Prozent.

Darüber hinaus heißt es, dass die Verwendung von Cannabis bei 57,1 Prozent der Teilnehmer Angstzustände minderte und 78,6 Prozent berichteten über eine Verbesserung des Schlafes. Auf einer Skala von 10 sollten die Teilnehmer einschätzen, wie nützlich sie die Cannabis-Therapie empfanden. Hier lag die durchschnittliche Bewertung bei 5,9. 17,9 Prozent bewerteten die Nützlichkeit mit einer 10.

https://www.medscape.com/viewarticle/933011


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08/Jul/2020

Wie Medizinalcannabis bei chronischen Schmerzen wirkt, ist sehr gut erforscht. So gilt medizinisches Cannabis als nebenwirkungsarme Therapieoption bei der Behandlung von chronischen Schmerzen. Das hat jetzt auch wieder eine Beobachtungsstudie aus Kanada gezeigt.

Was ist der Unterschied zwischen akuten und chronischen Schmerzen?

Ein Akutschmerz ist auf eine Verletzung oder eine Schädigung zurückzuführen und in der Regel auf den Entstehungsort begrenzt, wie beispielsweise bei einem Beinbruch. Das Ausmaß der Schmerzintensität hängt dabei von der Verletzung ab. Die Beschwerden enden, wenn die Verletzung verheilt ist.

Von chronischen Schmerzen wird gesprochen, wenn sie seit mindestens drei Monaten bestehen. Die Ursachen sind meist nicht erkennbar oder die Schmerzen bestehen fort, obwohl die Ursache behoben ist. Infolge dessen bildet sich eine eigenständige Erkrankung und das Gehirn entwickelt ein Schmerzgedächtnis.

Behandlung von chronischen Schmerzen

Die Therapie gestaltet sich oft schwierig. Deshalb kommt in der Regel eine multimodale Therapie, also eine Kombination aus unterschiedlichen Behandlungen, zum Einsatz. Hierzu gehören beispielsweise physikalische Therapien, psychologische Therapien oder auch komplementäre Verfahren wie Naturheilverfahren.

Neben diesen Therapieoptionen spielen auch Medikamente in der Schmerzmedizin eine wichtige Rolle. Klassische Schmerzmedikamente wie Paracetamol, ASS oder Ibuprofen können Schmerzen lindern. Allerdings können diese Arzneimittel bei einer langfristigen Einnahme schwere Nebenwirkungen verursachen.

Bei sehr starken Schmerzen werden auch häufig Opioide oder Opiate verordnet, die nicht nur starke Nebenwirkungen verursachen können, sondern auch ein hohes Abhängigkeitspotenzial besitzen.

Ergebnisse der Studie

Kanadische Forscher aus Toronto haben in einer prospektiven Beobachtungsstudie mit 751 chronischen Schmerzpatienten über einen Zeitraum von zwölf Monaten gearbeitet, die mit einer medizinischen Cannabis-Behandlung begonnen haben.

Im Ergebnis heißt es, dass sich die Schmerzschwere bei den Patienten nach einer einmonatigen Behandlung verbesserte und sich über den zwölfmonatigen Zeitraum nicht verschlechterte. Innerhalb von drei Monaten konnten auch signifikante Verbesserungen bei der physischen und psychischen Gesundheit beobachtet werden. Außerdem nahmen Symptome wie Kopfschmerzen, Angst, Übelkeit und Müdigkeit bei den Patienten ab.

Besonders interessant ist, dass Patienten, die Opioidmedikamente einnahmen, die Dosis durch die Verwendung von medizinischem Cannabis reduzieren konnten.


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01/Jul/2020

Einschlaf- und Durchschlafstörungen (Insomnie), die über einen längeren Zeitraum anhalten, können die Gesundheit ernsthaft gefährden. In einer randomisierten klinischen Doppelblindstudie konnten Forscher jetzt zeigen, dass eine Therapie mit medizinischem Cannabis wirksam sein kann.

Die Ursachen von chronischen Schlafstörungen können vielfältig sein. Häufig werden sie durch psychische Belastungen, Stress und ungünstige Schlafbedingungen verursacht. Auch verschiedene neurologische Erkrankungen, wie zum Beispiel das Restless-Legs-Syndrom oder chronische Schmerzen können das Einschlafen erschweren und dazu führen, dass Betroffene keinen erholsamen Schlaf bekommen. Ebenso kann die Einnahme von Medikamenten (z. B. Schilddrüsenhormone oder Antidepressiva) sowie illegalen Drogen zu Schlafproblemen führen.

Aufgrund des Schlafmangels zeigen sich Symptome wie Tagesmüdigkeit, Nervosität, innere Unruhe sowie Konzentrations- und Auffassungsstörungen. Schlafstörungen können außerdem die seelische Stabilität beeinträchtigen, sodass infolge dessen Depressionen oder Angststörungen auftreten. Auch das Immunsystem leidet unter Schlafstörungen.

Behandlung von Schlafstörungen

Die Therapie richtet sich nach der Ursache. Liegen psychische Probleme vor, kann eine Psychotherapie oder eine kognitive Verhaltenstherapie sinnvoll sein. Hilfreich kann für Betroffene auch das Erlernen von Entspannungsverfahren (z. B. autogenes Training oder Meditation) sein.

Für Betroffene ist es auch wichtig, auf eine gesunde Ernährung und die richtige Schlafhygiene zu achten. Mithilfe von speziellen Verhaltensregeln können Betroffene einen gesunden Schlaf fördern.

Schlafmittel kommen in der Regel nur bei schweren Fällen zum Einsatz, da sie zum einen ihre Wirksamkeit nach kurzer Zeit verlieren und zum anderen schnell ein Gewöhnungseffekt eintritt. Problematisch ist zudem, dass die Schlafstörungen wieder auftreten, wenn das Medikament abgesetzt wird.

Medizinisches Cannabis als Therapieoption

Im Rahmen einer aktuellen randomisierten klinischen Doppelblindstudie wurden 23 Probanden 14 Nächte lang mit medizinischem Cannabis behandelt. Nach einer einwöchigen Ausspülphase erhielten sie wiederum 14 Nächte lang ein Placebo. Die Probanden nahmen eine Einzeldosis mit 11,5 Milligramm Cannabinoiden oder eine Doppeldosis mit 23 Milligramm Cannabinoiden mittels sublingualer Lösung ein.

Im Ergebnis heißt es, dass die mit medizinischem Cannabis behandelten Probanden schneller einschliefen und auch signifikant länger schliefen. Weiter berichteten die Probanden, dass sich ihre Lebensqualität verbesserte, sie sich weniger gestresst und weniger müde fühlten. Außerdem fühlten sie sich nach dem Schlaf besser ausgeruht.


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25/Jun/2020

Wenn eine Krankenkasse über einen Leistungsantrag nicht innerhalb kurzer Frist entscheidet, gilt dieser als genehmigt (Genehmigungsfiktion). Das Bundessozialgericht hat jetzt jedoch entschieden, dass die Genehmigungsfiktion keinen Anspruch auf beantragte Sachleistung begründet. Nun befürchten Patientenvertreter, dass dieses Urteil für Patienten Nachteile bringen wird.

Der behandelnde Arzt eines Patienten beantragte bei der Krankenkasse die Versorgung mit dem Medikament Fampyra im Off-Label-Use zur Behandlung seiner Gangstörung, die im Rahmen der zerebellaren Ataxie bei kernspintomographisch nachgewiesener Kleinhirnatrophie auftritt. Denn die Gangstörung verbesserte sich nach einem vorausgegangenen Therapieversuch mit privatärztlicher Verordnung.

Fampyra ist jedoch nur für den Einsatz bei Gangstörungen infolge Multipler Sklerose zugelassen, sodass die Krankenkasse eine Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) forderte und dies dem Patienten auch mitteilte. Aufgrund des Gutachtens des MDK lehnte die Krankenkasse dann die beantragte Versorgung mit Fampyra mit der Begründung ab, dass die Voraussetzungen eines Off-Label-Use nicht gegeben seien.

Fristversäumnis durch die Krankenkasse

Nachdem der Patient den Bescheid der Krankenkasse angefochten hatte, wurde die Krankenkasse vom Sozialgericht Speyer dazu verurteilt, den Patienten entsprechend der ärztlichen Verordnung mit Fampyra zu versorgen (S 17 KR 57). Die Berufung der Krankenkasse hatte das Landessozialgericht Rheinland-Pflanz zurückgewiesen, da die Krankenkasse den Antrag nicht innerhalb der gesetzlichen Frist beschieden habe und die Krankenkasse die Versorgung mit dem Medikament aufgrund der Stellungnahme des Arztes auch subjektiv für erforderlich halten dürfen (L 5 KR 218/17).

Bundessozialgericht hebt Urteil auf

Im aktuellen Urteil des Bundessozialgerichts heißt es, dass der Patient keinen Leistungsanspruch auf die Versorgung mit Fampyra aufgrund der eingetretenen Genehmigungsfiktion (Fristversäumnis) besitzt. Die Leistungsklage sei unbegründet. Zwar bestehe bei Nichteinhaltung der Frist durch die Krankenkasse ein Anspruch auf Kostenerstattung, jedoch entfalle der bisherige Anspruch auf eine Sachleistung.

Sollten dem Versicherten die finanziellen Mittel fehlen, um sich die Sachleistung zu beschaffen, so gehe auch der Kostenerstattungsanspruch durch die spätere Ablehnung der Krankenkasse verloren. Denn die Krankenkasse ist trotz Fristversäumnis weiterhin berechtigt, eine Entscheidung zum Leistungsantrag zu fällen, so die Unabhängige Patientenberatung (UPD) laut einem Medienbericht.

Schwächung der Rechtsposition der Versicherten

In dem Medienbericht heißt es weiter, dass die UPD von einer „unglücklichen Entwicklung und einer Schwäche der Rechtsposition der Versicherten“ spreche. So befürchte die UPD, dass das BSG-Urteil dazu führe, dass noch mehr Versicherte vor der Durchsetzung ihrer Ansprüche zurückschrecken würden. Außerdem sei die Durchsetzung der Ansprüche unmöglich, wenn Menschen nicht über die finanziellen Mittel verfügen, um in Vorleistung zu gehen.

VdK kündigt Verfassungsbeschwerde an

In einem weiteren Medienbericht heißt es, dass die Präsidentin Verena Bentele vom VdK Sozialverband nun eine Verfassungsbeschwerde einreichen werde.

„Wir bedauern es, dass der Erste Kasseler Senat den Krankenkassen einen Blankoscheck für langsames Arbeiten ausstellt. Das Urteil benachteiligt einseitig die gesetzlich Versicherten. Für uns ist das Gleichheitsgebot verletzt. Wir werden Verfassungsbeschwerde erheben“, so Bentele vom VdK.

 


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