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02/Jun/2021

Venöse Beingeschwüre – auch „offenes Bein“ genannt – sind tiefe, schlecht heilende Wunden am Unterschenkel. Ältere, chronisch erkrankte Patient*innen leiden am häufigsten unter dieser Erkrankung. Eine zusätzliche Therapie mit äußerlichen cannabis-basierten Medikamenten beschleunigen die Wundheilung. Das fand ein kanadisches Forscherteam vor Kurzem in einer offenen Studie heraus. Ein Grund dafür sind unter anderem die Cannabinoide Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) sowie Flavonoide und Terpene, welche in der Cannabispflanze enthalten sind.

Warum erkranken Patienten*innen an venösen Beingeschwüren?

Die Erkrankung tritt als Folge von Durchblutungsstörungen in den Beinen auf. Am häufigsten durch eine Beinvenenschwäche. Hier ist der Rücktransport des Blutes zum Herzen beeinträchtigt. Die Geschwüre werden normalerweise mit Kompressionsverbänden behandelt, welche den Rücktransport des Blutes unterstützen. Außerdem werden äußerlich auf der Haut angewandte Medikamente, sogenannte topische Medikamente, zur Wundheilung genutzt.

Bei diesen Methoden stehen die Erfolgschancen einer vollständigen Wundheilung jedoch nur bei 50 bis 75 Prozent nach sechs Monaten optimaler Behandlung. Die Chance, dass die Geschwüre innerhalb eines Jahres zurückkommen, liegt bei 40 bis 70 Prozent. Aus diesem Grund müssen die Patient*innen vorbeugend Kompressionsstrümpfe tragen.

Einige Risikofaktoren für venöse Beingeschwüre sind:

  • Chronisch-venöse Insuffizienz (Beinvenenschwäche)
  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
  • Verminderte Gehfähigkeit
  • Höheres Lebensalter
  • Übergewicht
  • Diabetes mellitus
  • Bluthochdruck

Vollständiger Wundverschluss bei 79 % der Patient*innen

An der offenen Studie eines Wundzentrum in Toronto nahmen 14 Erkrankte mit insgesamt 16 Wunden teil. Bei den Studienteilnehmenden hatten die üblichen Therapien wie Kompressionsstrümpfe nicht geholfen und die Geschwüre waren im Durchschnitt älter als sechs Monate. Ein Patient litt sogar seit über zwölf Jahren an einer Wunde. Das Alter der Teilnehmenden lag im Schnitt bei 75,8 Jahren und sie hatten komplexere Begleiterkrankungen. Außerdem lagen bei den meisten Patient*innen Risikofaktoren für eine verminderte Wundheilung wie Ödeme (Wassereinlagerungen) und periphere arterielle Durchblutungsstörungen vor.

Die Behandlung erfolgte mit Kompressionsverbänden und topischen cannabis-basierten Medikamenten. Die Cannabiszubereitung wurde alle zwei Tage von den Betroffenen selbst auf die Wunden und dem anliegenden Bereich aufgetragen. Die Cannabisrezeptur enthielt die Cannabinoide THC und CBD, die Flavonoide Quercetin, Diosmin und Hesperdin sowie das Terpen Beta-Caryophyllen.

Das Ergebnis der Behandlung war sehr erfreulich. Ein vollständiger Wundverschluss wurde bei 11 Patienten*innen (79 %) und 13 Geschwüren (81 %) nach durchschnittlich 34 Tagen Behandlung beobachtet. Bei den anderen Personen wurde eine weit fortgeschrittene Wundheilung beobachtet. Nebenwirkungen traten nicht auf.

Interaktion von Cannabinoiden, Flavonoiden und Terpenen

Bei der Wundheilung spielt das Endocannabinoidsystem (ECS) eine wichtige Rolle. Die entzündungshemmenden Wirkungen von THC und CBD werden über die CB1- und CB2-Rezeptoren vermittelt. Diese Rezeptoren gibt es reichlich in unserer Haut. Cannabinoide führen außerdem zu einer Erweiterung der Blutgefäße, wodurch die Gewebedurchblutung sowie Sauerstoffversorgung verbessert wird.

Das Terpen Beta-Caryophyllen bindet an CB2-Rezeptoren und wirkt ebenfalls entzündungshemmend. Das Flavonoid Quercetin kann auch die Wundheilung beschleunigen und Diosmin, Hesperidin sowie Flavonoide stärken die Venen.

Einfache und sichere Wundbehandlung mit topischen Cannabis-Medikamenten

Die Studie zeigt, dass Cannabispräparate zur äußerlichen Anwendung die Wundheilung bei venösen Beingeschwüren beschleunigen. Auch bei Wunden, wo gängige Therapien nicht mehr richtig helfen, wurde die Heilung deutlich beschleunigt. Ein weiterer Vorteil ist die unkomplizierte Anwendung, welche die Patient*innen eigenständig zu Hause durchführen können. In der Zukunft wird es weiter Studien geben, die topische Cannabispräparate auch gegen andere Wundarten untersuchen.

 

Quelle:

Maida V, Shi RB, Fazzari FGT, Zomparelli L. Topical Cannabis-Based Medicines – A Novel Adjuvant Treatment for Venous Leg Ulcers: An Open-Label Trial. Exp Dermatol. 2021 May 19. doi: 10.1111/exd.14395. Epub ahead of print. PMID: 34013652.

 


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28/Apr/2021

Laut des GAMSI-Berichts der gesetzlichen Krankenkassen wird medizinisches Cannabis immer bedeutender in der Behandlung von Krankheiten. Im Jahr 2020 wuchsen die Umsätze cannabisbasierter Medikamente auf 165 Millionen Euro. 16 Millionen Euro fielen davon allein auf den März – der Rekordmonat in Sachen Umsatz. Auch Verordnungen von medizinischem Cannabis stiegen in 2020: im Vergleich zum Vorjahr um 27 Prozent. Am häufigsten wurden Cannabisblüten in unverarbeiteter Form oder als Zubereitungen verschrieben. Verordnungen von Cannabinoid-Zubereitungen wie Dronabinol-Kapseln und Fertigarzneimittel stiegen ebenfalls stark an. Von 2019 auf 2020 lag hier die Steigerung bei 76 Prozent.

Umsatz von Cannabis-Verordnungen steigt um 34 %

Im Jahr 2020 wurden rund 340.000 Verordnungen für cannabisbasierte Arzneimittel, Blüten und Rezepturen von Ärzt*innen ausgestellt. Das ist ein Anstieg von 27 Prozent im Vergleich zu rund 267.000 Verordnung im Jahr 2019.

Das bedeutet auch einen Anstieg der Bruttoumsätze, die auf 165 Millionen Euro kletterten. In Jahr 2019 verbuchte medizinisches Cannabis einen Bruttoumsatz von 123 Millionen Euro. Damit stieg der Umsatz von 2019 auf 2020 um 34 Prozent.

Unverarbeitete Cannabisblüten werden bevorzugt

Der Bericht der gesetzlichen Krankenkassen besagt, dass im Jahr 2020 unverarbeitete Cannabisblüten und die Zubereitungen aus Cannabisblüten mit 43 Prozent den größten Anteil am Gesamtbruttoumsatz haben. Die Anzahl der Verordnungen dieser sank jedoch um 9,7 Prozent.

Genauer betrachtet bedeutet das: Unverarbeitete Cannabisblüten werden vermehrt verschrieben. Von 2019 auf 2020 sind die Verschreibungen von 91.229 auf 100.090 gestiegen. Das ist ein Anstieg von 10,5 Prozent.

Bei den Blütenzubereitungen sieht es anders aus. Diese sanken von 43.952 im Jahr 2019 auf 21.262 im Jahr 2020. Damit verringerten sich die Verordnungen um 51,6 Prozent in einem Jahr.

Verordnungen für Cannabinoid-Rezepturen und Fertigarzneimittel steigen

Im Jahr 2019 wurden 66.359 Verordnungen für Cannabinoid-Zubereitungen (z. B. Dronabinol-Kapsel) und Fertigarzneimittel verschrieben. Cannabinoid-haltigen Arzneimittel.

Im darauffolgenden Jahr änderten sich die Verhältnisse deutlich. Wenn die Verordnungszahlen für unverarbeitete Cannabisblüten und Cannabiszubereitungen im Jahre 2020 getrennt betrachtet werden, sind Cannabinoid- und Fertigarzneimitteln-Rezepturen mit 117.171 die größte Gruppe. Unverarbeitete Cannabisblüten belegen Platz zwei und Sativex® Platz drei.

Konstante Umsatzzahlen im Jahr 2020

Die Umsätze im Jahr 2020 sind relativ konstant und liegen bei rund 41 Millionen Euro pro Quartal. Ein Jahr zuvor in 2019 stiegen die Umsatzzahlen von Quartal zu Quartal. Im ersten Quartal 2019 wurden rund 24,5 Millionen Euro verbucht. Im letzten Quartal stiegen diese dann auf 36,6 Millionen Euro. Damit wuchsen die Umsätze um 67 %.

Ein Grund für den Anstieg der gesamten Jahresumsätze von 2019 auf 2020 ist die Zulassung von Epidyolex®. Epidyolex® ist ein cannabidiolhaltiges Medikament gegen seltene Epilepsieformen bei Kindern (Dravet-Syndrom und Lennox-Gastaut-Syndrom). Dieses wurde im Oktober 2019 in Deutschland zugelassen. Weitere Cannabis-Arzneimittel sind Canemes® und Sativex®, welche konstante Umsätze generierten.

Cannabisextrakte nehmen an Bedeutung zu

Die Umsätze mit unveränderten Extrakten sind dagegen gestiegen. Im ersten Halbjahr von 2020, also von Januar bis Juni lagen die Umsätze bei 3,96 Millionen Euro. In der zweiten Jahreshälfte stiegen die Bruttoumsätze auf fast 5 Millionen Euro an. Das entspricht einer Zunahme um 26,1 Prozent.

Bruttoumsätze von Cannabinoid-haltigen Fertigarzneimitteln und Zubereitungen

2019Bruttoumsätze in Millionen Euro *
1.Quartal (Januar – März)24,5
2.Quartal (April – Juni)29,5
3.Quartal (Juli – September)32,3
4.Quartal (Oktober – Dezember)36,6
Gesamtjahr123
2020Bruttoumsätze in Millionen Euro*
1.Quartal (Januar – März)41,9
2.Quartal (April – Juni)40,1
3.Quartal (Juli – September)40,1
4.Quartal (Oktober – Dezember)42,7
Gesamtjahr165

*Gerundete Werte

 

In welcher Form wird medizinisches Cannabis verordnet?

  • Unveränderte Cannabisblüten
  • Cannabisblüten in Zubereitungen: zerkleinerte, gesiebte und gegebenenfalls in Einzeldosen verpackte Cannabisblüten zur Inhalation nach Verdampfung oder Teezubereitung
  • Unveränderte Cannabinoid-haltige Stoffe wie Cannabisextrakte
  • Cannabinoid-haltige Stoffe oder Cannabis-Fertigarzneimittel in Zubereitungen: z.B. Dronabinol in Form von Tropfen und Kapseln; andere Fertigarzneimittel in Zubereitungen wie alkoholische Inhalationslösung oder ölige Cannabisharz-Lösung
  • Importierte Cannabinoid-haltige Fertigarzneimittel: Marinol® (Dronabinol-Kapseln), Syndros® (Dronabinol-Lösung)
  • Cannabinoid-haltige Fertigarzneimittel: Canemes ® (Nabilon-Kapseln), Epidyolex® (Cannabidiol-Lösung), Sativex ® (Mundspray mit Tetrahydrocannabinol und Cannabidiol)

 

Der GAMSI-Bericht enthält nur die Daten von Kassenpatienten*innen. Daten von Privatpatienten*innen und Selbstzahler*innen werden hier nicht statistisch erfasst

 

Quellen:

https://www.gkv-gamsi.de/media/dokumente/quartalsberichte/2019/q4_21/Bundesbericht_GAmSi_201912_konsolidiert_Sonderbeilage_Cannabis.pdf

https://www.gkv-gamsi.de/media/dokumente/quartalsberichte/2020/q4_23/Bundesbericht_GAmSi_202012_konsolidiert_Sonderbeilage_Cannabis.pdf

https://www.deutschesapothekenportal.de/rezept-retax/dap-retax-arbeitshilfen/rezeptur/sonder-pzn/


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07/Apr/2021

Die ganze Welt sucht nach Möglichkeiten der Bekämpfung des Coronavirus. Ob es neue Hygienekonzepte, neue Impfstoffe oder Therapien zur Infektionshemmung beziehungsweise Genesung sind. Ein Team von Forschern der Universität Chicago hat jetzt CBD als eines dieser Möglichkeiten entdeckt. In einer am 10. März 2021 veröffentlichen Studie zeigen sie den Zusammenhang zwischen der Einnahme von CBD und einer reduzierten Infektionsrate.  

CBD mit antiviraler Wirkung 

Die Forscher entdeckten, dass die Einnahme von CBD die Vermehrung von SARS-CoV 2 hemmt. Das erkannten sie, indem sie Lungenzellkulturen mit einer Cannabidiol-Lösung behandelten und nach zwei Stunden dem Virus aussetzten. 

Zwei Tage später wurden die Lungenzellen auf virale Spike-Proteine untersucht und das Ergebnis zeigte in der Tat, dass CBD in der Lage ist, die Vermehrung der Viren zu hemmen.  

Nur CBD hemmt die Vermehrung von SARS-CoV 2 Viren 

Es wurden auch weitere Cannabinoide wie Tetrahydrocannabinol (THC), Cannabichromen (CBC), Cannabigerol (CBG) sowie CBDA untersucht. Jedoch allein CBD zeigte eine antivirale Wirkung bei einer therapeutischen Dosierung.  

Weniger Corona-Infektionen bei CBD-Anwender*innen 

Um die Erkenntnisse in einem realen Umfeld weiter zu vertiefen, wurden 93.000 Corona Testergebnisse ausgewertet. Die Ergebnisse zeigten eine Infektionsrate von 10 Prozent unter allen Tests. Diese Rate sank bei Patientinnen und Patienten mit vergangener Cannabinoid-Therapie auf 5,7 Prozent. Den größten Unterschied zeigte die Infektionsrate bei Personen, die regelmäßig CBD einnehmen. Diese lag bei lediglich 1,2 Prozent. Damit unterstreichen die Ergebnisse aus dem realen Leben die aus dem Labor.  

Wie wirkt CBD gegen SARS-CoV 2? 

Die Forscher untersuchen zwei Möglichkeiten, wie CBD dem Virus entgegenwirken könnte. Zum einen besteht die Möglichkeit, dass CBD eine antivirale Immunantwort fördert. Das bedeutet, es hilft dem Körper, das Virus als gefährlich einzustufen, sodass er frühzeitig entgegenwirken kann. Eine weitere Möglichkeit ist, dass CBD der Zytokin-Produktion entgegenwirkt. Die ZytokinProduktion wird durch Viren gefördert und kann lebensgefährliche Folgen haben. 

Die Einnahme von CBD hat einige Vorteile gegenüber anderen Wirkstoffen bzw. Therapien wie Remdesivir oder antiviralen Antikörper. Es lässt sich einfach zu Hause ohne Krankenhaus- oder Arztbesuch einnehmen. Außerdem ist die Verträglichkeit deutlich besser. 

Die optimale Dosierung, Anwendung sowie die optimale Arzneiformulierung werden in zukünftigen Studien weiter untersucht. Bis dahin raten die Forscher*innen von der präventiven Einnahme CBDs zur Corona Bekämpfung ab. 

 

Quelle: 

Cannabidiol Inhibits SARS-CoV-2 Replication and Promotes the Host Innate Immune Response 

Long Chi Nguyen, Dongbo Yang, Vlad Nicolaescu, Thomas J. Best, Takashi Ohtsuki, Shao-Nong Chen, J. Brent Friesen, Nir Drayman, Adil Mohamed, Christopher Dann, Diane Silva, Haley Gula, Krysten A. Jones, J. Michael Millis, Bryan C. Dickinson, Savaş Tay, Scott A. Oakes, Guido F. Pauli, David O. Meltzer, Glenn Randall, Marsha Rich Rosner 

bioRxiv 2021.03.10.432967; doi: https://doi.org/10.1101/2021.03.10.432967 


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18/Mrz/2021

CBD kann bei epileptischen Anfällen helfen. Eine amerikanische Studie zeigt jetzt, dass die Wirksamkeit des Cannabinoids sich über einen längeren Therapiezeitraum steigert. Im zweiten Jahr der Behandlung war der signifikante Effekt auf die Häufigkeit und die Schwere der Anfälle deutlich ausgeprägter als zu Beginn. 

Verringerung von Epilepsieanfällen durch CBD-Extrakt 

An der Studie der Abteilung für Neurologie und des UAB Epilepsy Center der University of Alabama at Birmingham, USA, nahmen 169 Menschen mit behandlungsresistenter Epilepsie teildavon 89 Kinder und 80 Erwachsene. Diese erhielten einen CBD-Extrakt (Epidyolex). Das Ansprechen auf die Behandlung mit Cannabidiol definierten die Wissenschaftler*innen durch eine Reduktion der Anfallshäufigkeit um 50 Prozent oder mehr. 

Diese signifikante Verringerung der Anfallshäufigkeit war nach 2 Jahren Behandlung ausgeprägter als innerhalb des ersten Monats nach Beginn der Therapie. Darüber hinaus fand das Forscherteam heraus, dass dieser Effekt bei den 80 Erwachsenen nach einem Jahr ausgeprägter war als bei den 89 Kindern der Studie. Der Prozentsatz der Kinder, die eine Reduktion der Anfallshäufigkeit um die Hälfte oder mehr erreichten, betrug 44 % im ersten Monat, 41 % im ersten Jahr und 61 % im zweiten Jahr. Bei den Erwachsenen lag diese Rate bei 34 % im ersten Monat, 53 % im ersten Jahr und 71 % im zweiten Jahr.  

Größte Verbesserung bei Erwachsenen im zweiten Jahr der Therapie 

Auch die Anfallsschwere konnte durch das CBD-Produkt deutlich reduziert werden: Kinder zeigten eine 52%ige Anfallsreduktion im ersten Monat, eine 51%ige Reduktion im ersten Jahr und eine 75%ige Reduktion im zweiten Jahr. Die Anfallsreduktion bei den Erwachsenen lag noch deutlich höher, bei 60 %, 81 % und 85 %. Im Vergleich berichteten Erwachsene nach zwei Jahren Therapie über eine größere Verbesserung als Kinder. 

Refraktäre Epilepsie – behandlungsresistent 

Epilepsie betrifft nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO), etwa 50 Millionen Menschen weltweit. Sie ist eine der häufigsten chronischen neurologischen Erkrankungen. Die Krankheit ist gekennzeichnet durch immer wiederkehrende Anfälle, die entweder den gesamten Körper oder nur einen bestimmten Teil betreffen. Gelegentlich können Menschen mit Epilepsie während der Anfälle auch das Bewusstsein verlieren. Die refraktäre Epilepsie ist eine schwer behandelbare Form der Erkrankung, die auf Antiepileptika nicht anspricht. 

Quelle: 

Gaston TE, Ampah SB, Martina Bebin E, Grayson LP, Cutter GR, Hernando K, Szaflarski JP; UAB CBD Program. Long-term safety and efficacy of highly purified cannabidiol for treatment refractory epilepsy. Epilepsy Behav. 2021 Mar 2;117:107862. doi: 10.1016/j.yebeh.2021.107862. Epub ahead of print. PMID: 33667843. 


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24/Feb/2021

Fast dreiviertel der Menschen, die in Deutschland Cannabisarzneimittel auf Rezept erhalten, setzen diese zur Behandlung von Schmerzen ein. Von diesen Patient*innen nehmen 70 Prozent eine Verbesserung der Symptome wahr. Das zeigt das Zwischenergebnis der Cannabisbegleiterhebung des BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte). 

Wofür wird medizinisches Cannabis eingesetzt? 

Mit 73 Prozent wird der Löwenanteil aller Cannabis-Rezepte in Deutschland zur Therapie von Schmerzen ausgestellt. Danach folgen mit einem großen Abstand die Behandlung von Spastik (10 %), Anorexie/Wasting (6%) und weitere Leiden (10%). Die Ärzt*innen verordnen in 65 Prozent der Fälle Dronabinol, danach folgen Cannabisblüten, Sativex, mit zunehmender Tendenz Cannabisextrakte und auf dem letzten Platz Nabilon.  

Welche Fachgruppen verordnen Cannabis? 

Die größte Gruppe der Cannabis verordnenden Ärzt*innen sind die Schmerzmediziner (Anästhesiologen) mit einem Anteil von 49 Prozent. Danach folgen die Fachgruppen Allgemeinmedizin (17 %), Neurologie (12 %) und Innere Medizin (10 %). 

Wie erfolgreich ist die Cannabistherapie? 

In der größten Gruppe der Cannabispatient*innen, den Personen mit Schmerz als primär behandeltem Symptom, empfanden 34 Prozent ihre Schmerzen als deutlich verbessert und 36 Prozent als moderat verbessert. Somit konnte medizinisches Cannabis bei insgesamt 70 Prozent der Schmerzpatient*innen die Leiden lindern. 28 Prozent gaben an, ihre Schmerzen seien unverändert. 

Bei den Menschen mit Multipler Sklerose als Hauptdiagnose verbesserte sich die Spastik bei 41 Prozent deutlich und bei 43 Prozent moderat. 

35 Prozent der Cannabispatient*innen haben ihre Therapie innerhalb eines Jahres abgebrochen. Bei 25 Prozent  der Fälle lag das an den Nebenwirkungen und bei fast 40 Prozent an nicht ausreichender Wirkung der Therapie. In 21 Prozent der Fälle verstarb die betroffene Person – auch das wird in der Begleiterhebung als Therapieabbruch gewertet. 

Private Rezepte nicht erfasst 

Bei diesen Ergebnissen muss immer im Blick behalten werden, dass die Begleiterhebung nicht alle in Deutschland mit Cannabisarzneimitteln therapierte Patient*innen erfasst: Die Daten von Selbstzahlern, Privatversicherten, stationär und im Rahmen von klinischen Studien behandelten Personen werden nicht übermittelt. Darüber hinaus wird auch für die Personen keine Erhebung erstellt, die die Fertigarzneimittel Sativex und Canemes entsprechend den zugelassenen Anwendungsgebieten erhalten. 

Cannabisbegleiterhebung – was ist das? 

In Deutschland sind Ärztinnen und Ärzte, die medizinisches Cannabis auf Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung verschreiben, verpflichtet, an einer Begleiterhebung zur Anwendung dieser Arzneimittel teilzunehmen. Die Erhebung wird vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) durchgeführt. Dieses Institut hat nach drei Jahren eine Zwischenbilanz gezogen mit mehr als 10.000 Datensätzen, die bis zum Stichtag der Auswertung am 11.05.2020 vorlagen. Ein Jahr zuvor hatte das BfArM bereits ein Zwischenergebnis auf Basis der bis dahin ausgewerteten Daten veröffentlicht. 

Ziele der Erhebung sind das Monitoring von Nebenwirkungen und der Verträglichkeit der Cannabisprodukte. Darüber hinaus soll die Untersuchung zeigen, bei welchen Indikationen Cannabis verschrieben wird. Die Ergebnisse sollen als Grundlage für die Planung späterer klinischer Studien dienen.  

Quelle: 

Schmidt-Wolf, G., Cremer-Schaeffer, P. 3 Jahre Cannabis als Medizin – Zwischenergebnisse der Cannabisbegleiterhebung. Bundesgesundheitsbl (2021). https://doi.org/10.1007/s00103-021-03285-1 


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10/Feb/2021

Eine Umfrage unter Menschen mit Parkinson ergab, dass über 8 Prozent der Betroffenen Cannabisprodukte anwenden. Mehr als die Hälfte dieser Personen berichten von einer positiven Wirkung der Cannabisbehandlung. Die Ergebnisse beruhen auf einer Befragung aus Deutschland. 

Morbus Parkinson und Cannabis: Das Interesse ist groß 

Das Interesse am therapeutischen Einsatz von Cannabinoiden zur Linderung unterschiedlicher Symptome wächst stetig – so auch bei Morbus Parkinson. Die Umfrage wurde unter den Mitgliedern der Deutschen Parkinson Vereinigung e.V. durchgeführt, die mit fast 21.000 Mitgliedern der größte Zusammenschluss von Parkinson-Patient*innen im deutschsprachigen Raum ist. Die Forscher zielten darauf ab, die Einstellung der Betroffenen zu medizinischem Cannabis zu untersuchen und die Erfahrungen von Patient*innen zu evaluieren, die bereits Cannabisprodukte anwenden. Die Untersuchung wurde im Journal of Parkinson’s Disease veröffentlicht. 

Für die Umfrage werteten Wissenschaftler mehr als 1.300 Antworten aus. Diese zeigten, dass das Interesse der Parkinson-Gemeinschaft an medizinischem Cannabis hoch ist, das Wissen zu dem Thema aber begrenzt. Immerhin kannten 28 Prozent der Befragten die verschiedenen Einnahmeformen, wie Inhalation und orale Einnahme. Allerdings waren sich nur 9 Prozent über den Unterschied zwischen den Cannabiswirkstoffen THC und CBD im Klaren. 

Wie hilft Cannabis bei Parkinson? 

Mehr als 8 Prozent der Umfrage-Teilnehmenden gaben an, Cannabisprodukte zu verwenden, und mehr als die Hälfte dieser Anwender und Anwenderinnen (54 %) berichteten von einer positiven klinischen Wirkung. Die allgemeine Verträglichkeit war gut. Über 40 Prozent der Befragten gaben an, dass es ihnen bei Schmerzen und Muskelkrämpfen hilft. Und mehr als 20 Prozent bemerkten eine Verringerung von Steifheit (Akinesie), unruhigen Beinen und Zittern, aber auch von Depressionen und Ängsten. 

Darüber hinaus ist interessant, dass die Patient*innen berichteten, dass inhalative Cannabisprodukte, die THC enthalten, effizienter bei der Behandlung von Steifheit waren als orale Produkte, die CBD enthalten. Dafür wurde THC etwas weniger gut vertragen. 

Behandlung mit Cannabinoiden bei Parkinson 

Parkinson-Patient*innen, die Cannabis verwendeten, waren tendenziell jünger, lebten in Großstädten und waren besser über die rechtlichen und therapeutischen Aspekte von medizinischem Cannabis informiert. 65 Prozent der Befragten, die Cannabinoide bisher nicht nutzen, waren an der Verwendung von medizinischem Cannabis interessiert. Mangelndes Wissen und Angst vor den Nebenwirkungen wurden als Hauptgründe dafür angegeben, es nicht zu versuchen. 

“Unsere Daten bestätigen, dass Morbus-Parkinson-Patienten ein hohes Interesse an der Behandlung mit medizinischem Cannabis haben, ihnen aber das Wissen über die Einnahme und vor allem die Unterschiede zwischen den beiden wichtigsten Cannabinoiden, THC und CBD, fehlt”, so Studienleiter Prof. Dr. Carsten Buhmann, ärztlicher Leiter der Neurologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). “Ärzte sollten diese Aspekte berücksichtigen, wenn sie ihre Patienten über eine Behandlung mit medizinischem Cannabis beraten. Die hier berichteten Daten können Ärzten helfen zu entscheiden, welche Patienten profitieren könnten, welche Symptome behandelt werden könnten und welche Art von Cannabinoid und welcher Verabreichungsweg geeignet sein könnten.” 

Die Einnahme von Cannabis, das räumt Prof. Buhmann ein, könnte aufgrund der hohen Erwartungen der Betroffenen mit einem Placebo-Effekt verbunden sein. Dies bewertet der Mediziner aber nicht negativ, denn “selbst das kann als therapeutischer Effekt angesehen werden.” Dennoch weist er darauf hin, dass die Ergebnisse der Untersuchung auf subjektiven Berichten beruhen und dass klinisch angemessene Studien dringend erforderlich seien.  


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03/Feb/2021

Das Klinikum Klagenfurt wendet derzeit den Cannabis Wirkstoff CBD bei Covid-Patient*innen an – mit guten Ergebnissen. Vor allem die entzündungshemmenden und immunstärkenden Eigenschaften des Cannabinoids sind hier interessant. Eine Studie ist bereits in Arbeit, die fundierte Erkenntnisse bringen soll. 

Positive Ergebnisse von CBD bei Covid-Patient*innen 

Wie der ORF berichtet, erzielen die Intensivmedizinerinnen und -mediziner des Klinikums Klagenfurt in Österreich positive Ergebnisse mit Cannabidiol (CBD) in der Covid-Therapie. CBD sei ein hochinteressanter Stoff, auch in der Behandlung von Covid-Patientinnen und -Patienten, erklärt Prof. Rudolf Likar, der Abteilungsvorstand der Intensivmedizin am Klinikum Klagenfurt ist. CBD wirke in vielerlei Hinsicht. Es besitzt entzündungshemmende Eigenschaften und kann das Immunsystem positiv beeinflussen. In Klagenfurth haben bestimmte Patient*innen CBD über einen Zeitraum von drei Wochen erhalten. Zunächst in der Dosierung von 200 mg, die dann auf 300 mg gesteigert wurde 

„Wir haben gesehen, dass die Entzündungsparameter im Blut zurückgehen und die Menschen gegenüber der Vergleichsgruppe schneller das Krankenhaus verlassen. CBD unterstützt das Immunsystem“, so Prof. Likar im ORF. 

Derzeit läuft eine Studie am Klinikum Klagenfurt zum Einsatz von CBD. Prof. Likar ist mit den bisherigen Daten und Ergebnissen zufrieden. Daher will er CBD “wahrscheinlich routinemäßig einsetzen, weil es eben keine Nebenwirkungen hat.” Der Mediziner erklärt, dass sein Team bereits seit Längerem an Cannabidiol forscht. Das ist eine interessante Substanz und Israel ist sogar dabei, CBD für die Covid-Therapie zuzulassen. Also wir sind nicht die einzigen, die damit arbeiten.“ 

Cannabidiol (CBD) – ein wertvolles Cannabinoid 

THC und CBD sind die beiden Hauptwirkstoffe der Cannabispflanze. Zum Einsatz von Cannabidiol liegen bereits eine große Anzahl an Studien vor und die Wissenschaft konnte viele wichtige Erkenntnisse gewinnen. Seit 2013 hat PubMed, eine medizinische Forschungsdatenbank der USA, mehr als 1.500 Studien zu Cannabidiol indiziert. Auch deshalb betrachten viele Forscher*innen CBD als eines der wichtigsten bisher entdeckten Cannabinoide. 

Im Gegensatz zu THC erzeugt CBD keinen Rausch. Wenn CBD mit THC in Kombination eingesetzt wird, reduziert Cannabidiol die psychoaktive Wirkung und die Nebenwirkungen von THC. Fachleute, die die Beziehung zwischen CBD und dem Immunsystem untersuchten, haben bereits die positive Wirkung von CBD bei entzündlichen und autoimmunen Erkrankungen dargelegt. Zudem gibt es Studien, welche die Wirkung von Cannabidiol zur Linderung von chronischen Schmerzen oder zur Behandlung von Epilepsie untersucht haben. 

Weitere Untersuchungen haben gezeigt, dass CBD bei Krebs Schmerzen lindern kann und beruhigend wirkt. Zudem haben Wissenschaftler*innen herausgefunden, dass Cannabidiol das Zellwachstum bei Brustkrebs reduzieren kann. 

Photo by Martin Sanchez on Unsplash


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27/Jan/2021

Cannabinoide ermöglichen Schmerzpatient*innen die Reduktion oder sogar das komplette Absetzen von Opioiden. Zu dem Ergebnis kommt eine amerikanische Umfrage. Darüber hinaus können Cannabinoide die Stärke der Schmerzen verringern. Die große Mehrheit der befragten Personen verspürte dank der Einnahme von Cannabinoiden eine höhere Lebensqualität sowie eine verbesserte Funktionsfähigkeit. 

40 Prozent konnten alle Opioide absetzen

Amerikanische Forscher der Society of Cannabis Clinicians in Sebastopol, USA, führten eine Online-Erhebung unter Patient*innen aus drei medizinischen Cannabispraxen durch. Aus der Gesamtgruppe von über 1.000 Befragten hatten 525 mindestens drei Monate lang verschreibungspflichtige Opioid-Medikamente zur Behandlung ihrer chronischen Schmerzen in Kombination mit medizinischem Cannabis eingenommen. 

Von diesen 525 Personen berichteten etwa 40 Prozent, dass sie dank der Einnahme von Cannabinoiden alle Opioide abgesetzt hatten. Etwa 45 Prozent konnten die Menge der Opioide reduzieren. Über keine Veränderungen bei ihren Opioid-Medikamenten berichteten 13 Prozent und ein Prozent musste mehr Opioide einnehmen. Rund ein Drittel der Befragten gaben an, dass sie die Umstellung in ihrer Opioid-Medikation über ein Jahr beibehalten konnten. 

Positiv berichteten die Cannabispatient*innen nicht nur über die Reduktion der Opioideauch die Schmerzintensität sank. Fast die Hälfte (48 %) empfanden 40 bis 100 Prozent weniger Schmerzen. Neun Prozent bemerkten keine Veränderung der Schmerzen während bei drei Prozent die Schmerzen zunahmen.  

Deutliche Mehrheit gewinnt an Lebensqualität

Ein weiteres besonders erfreuliches Ergebnis der Untersuchung ist, dass die große Mehrheit der Befragtennämlich 80 Prozenteine verbesserte Funktionsfähigkeit verspürte. Und sogar 87 Prozent gaben an, dass sich ihre Lebensqualität mit medizinischem Cannabis verbessert hätte. Die meisten der Schmerzpatient*innen (62 %) wollten in Zukunft keine Opioide mehr einnehmen. Während die Veränderung der Schmerzstärke nicht von Alter und Geschlecht beeinflusst wurde, hatte die jüngere Altersgruppe eine verbesserte Funktionsfähigkeit im Vergleich zu den mittleren und älteren Altersgruppen. 

Cannabis nützlich bei chronischen Schmerzen

Die Forscher kommen daher zu dem Ergebnis, dass “Cannabis eine nützliche Ergänzung und ein Ersatz für verschreibungspflichtige Opioide bei der Behandlung chronischen Schmerzen sein kann. Darüber hinaus haben Cannabinoide den zusätzlichen Vorteil, die Funktionsfähigkeit und die Lebensqualität zu verbessern. 

Nach Meinung der Wissenschaftler ist dies eine der größten Umfragen ihrer Art. Die Ergebnisse zeigen einen bemerkenswerten Prozentsatz von Patienten und Patientinnen, die sowohl über ein vollständiges Absetzen der Opioide als auch über eine Verringerung der Opioide durch die Zugabe von medizinischem Cannabis berichten. Die Forscher stellen die Hypothese auf, dass diese Effekte auf die synergistische Schmerzlinderung zurückzuführen sind, die sich bei der Zugabe von Cannabis zu Opioiden gezeigt hat”. 

 

Quelle: 

Takakuwa K M, Sulak D (December 02, 2020) A Survey on the Effect That Medical Cannabis Has on Prescription Opioid Medication Usage for the Treatment of Chronic Pain at Three Medical Cannabis Practice Sites. Cureus 12(12): e11848. doi:10.7759/cureus.11848  

Photo by Christine Sandu on Unsplash


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20/Jan/2021

CBD kann die Symptome von Fibromyalgie, vor allem schmerzbezogene Beschwerden, reduzieren. Das zeigt eine Online-Umfrage mit 2.700 Teilnehmenden, hauptsächlich aus den USA, die an Fibromyalgie leiden. Die Befragung macht ebenfalls deutlich, dass die Verwendung von Cannabidiol (CBD) bei Menschen mit Fibromyalgie weit verbreitet ist. 

Viele Fibromyalgie-Patient*innen greifen auf CBD zurück 

Die anonyme Online-Umfrage wurde von Forschern der Abteilung für Anästhesiologie an der University of Michigan Medical School in Ann Arbor, USA, durchgeführt. Insgesamt gaben etwa 38 Prozent der Befragten an, nie CBD zu verwenden, aber 29 Prozent berichteten über die frühere Einnahme von CBD und 32 Prozent über den aktuellen CBD-Gebrauch. Somit haben mehr als 60 Prozent der Befragten Cannabidiol ausprobiert oder nutzen es noch. 

Die Personen, die CBD einnehmen, leiden meist an Fibromyalgie-Symptomen, die nicht ausreichend durch ihre weitere Therapie gelindert werden. Die Patient*innen, die CBD nicht nutzen, gaben als Grund dafür vor allem Sicherheitsbedenken an. 

Zwei Drittel der befragten Patient*innen, die CBD einnehmen, informierten ihren Arzt darüber. Bemerkenswert ist, dass lediglich 33 Prozent medizinischen Rat zur Verwendung von CBD einholten. Die Teilnehmenden verwendeten CBD gegen zahlreiche Fibromyalgie-Symptome, am häufigsten bei Schmerzen. Dabei erreichte CBD leichte bis starke Verbesserungen in allen Symptombereichen. Etwa die Hälfte der befragten Personen berichteten über geringfügige Nebenwirkungen. 

Fibromyalgie – was ist das? 

Fibromyalgie bedeutet häufig stärkste Schmerzen, Erschöpfung, Schlafstörungen und nicht selten psychische Leiden. Die Symptome des chronischen Schmerzsyndroms sind vielfältig und von Person zu Person sehr unterschiedlich. Viele Betroffene haben große Schwierigkeiten, ihren Alltag zu meistern, und der Leidensdruck ist sehr hoch. Einige Studien haben bereits gezeigt, dass die medizinische Anwendung von Cannabis eine günstige Wirkung auf die Symptome haben kann. 

Die Erkrankung zeigt sich durch Muskel- und Bindegewebsschmerzen, die sich besonders an bestimmten Schmerzpunkten (Tender Points) äußern. Die Schmerzen können am gesamten Körper auftreten, zeigen sie aber meist in der Nähe der Gelenke. In Deutschland sind 2 Prozent der Bevölkerung von dem chronischen Schmerzsyndrom betroffen, Frauen sechs bis sieben Mal häufiger als Männer. 

Die Ursache der Erkrankung ist ungeklärt, medizinische Fachleute gehen aber davon aus, dass eine genetisch bedingte Krankheitsanfälligkeit eine Rolle spielt. Darüber hinaus können Traumata wie beispielsweise Misshandlungen im Kindesalter, aktuelle psychische Belastungen oder chronische psychische Belastungen wie Stress die Entstehung fördern. 

 

Quelle: 

Boehnke KF, Gagnier JJ, Matallana L, Williams DA. Cannabidiol Use for Fibromyalgia: Prevalence of Use and Perceptions of Effectiveness in a Large Online Survey. J Pain. 2021 Jan 2:S1526-5900(20)30117-6. doi: 10.1016/j.jpain.2020.12.001. Epub ahead of print. PMID: 33400996. 

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13/Jan/2021

Cannabidiol (CBD) kann Parkinson-Patient*innen Linderung verschaffen. Das zeigt eine Studie der Abteilung für Neurologie der University of Colorado School of Medicine in Aurora (USA). So reduzierten sich die motorischen Symptome der Erkrankung, aber auch der Nachtschlaf und emotionale Störungen verbesserten sich deutlich. Bei einigen Teilnehmenden der Studie erhöhten sich allerdings die Leberwerte aufgrund der hohen Dosierung. 

Menschen mit Parkinson können von CBD profitieren 

In der Studie erhielten 13 Personen mit Morbus Parkinson und substanziellem Ruhetremor pflanzliches, hochgereinigtes CBD (Epidiolex; 100 mg/mL). Der CBD-Extrakt wurde von 5 bis 20-25 mg pro Kilogramm Körpergewicht titriert und über 10 bis 15 Tage beibehalten. Die Patient*innen hatten ein Durchschnittsalter von 68 Jahren. 

Alle 13 an der Studie Teilnehmenden berichteten über leichte Nebenwirkungen, wie Durchfall (85 %), Somnolenz (69 %), Müdigkeit (62 %), Gewichtszunahme (31 %), Schwindel (23 %), Bauchschmerzen (23 %) und Kopfschmerzen, Gewichtsverlust, Übelkeit, Anorexie und gesteigertem Appetit (jeweils 5 %). Erhöhte Leberenzyme traten bei fünf Personen auf, das entspricht 38,5 Prozent der gesamten Gruppe. 

Drei Personen brachen die Studie aufgrund von Unverträglichkeiten ab. Die restlichen zehn erzielten eine Verbesserung der Gesamt- sowie der motorischen Werte. Weitere positive Ergebnisse waren, dass sich der nächtliche Schlaf sowie emotionale oder verhaltensbedingte Kontrollstörungen signifikant verbesserten. Die Wissenschaftler kommen daher zu dem Ergebnis, dass CBD in Form von Epidiolex bei Morbus Parkinson wirksam sein kann. Die relativ hohe Dosis, die in dieser Studie verwendet wurde, war aber auch mit Erhöhungen der Leberenzyme verbunden.  

Morbus Parkinson 

Morbus Parkinson ist nach Alzheimer die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. In Deutschland sind ungefähr ein Prozent der über 60-Jährigen von der unheilbaren Krankheit betroffen. Die medizinischen Behandlungsmöglichkeiten sind begrenzt. Die Therapie zielt vor allem darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu erhöhen.  

Zu Beginn der Erkrankung sind die Symptome unspezifisch. Dazu gehören Schmerzen im Schulter-, Nackenbereich oder im Rücken, außerdem die Verlangsamung und Abnahme der Bewegungen. Hinzu kommt ein einseitig beginnender Ruhetremor. Im Verlauf der Erkrankung verändert sich das Gangbild. Die Betroffenen beugen sich nach vorn und machen nur kleine, kurze Schritte. 

Neben den motorischen Beschwerden können auch Schlafstörungen, Schmerzen in Muskeln und Gelenken sowie depressive Verstimmungen auftreten. Später können Affektlabilität, Apathie, Angststörungen und Demenz hinzukommen. Diese nicht-motorischen Symptome sollten nicht unterschätzt werden, da sie die Lebensqualität der Patient*innen oft stark einschränken. 

 

Quelle: 

Leehey MA, Liu Y, Hart F, Epstein C, Cook M, Sillau S, Klawitter J, Newman H, Sempio C, Forman L, Seeberger L, Klepitskaya O, Baud Z, Bainbridge J. Safety and Tolerability of Cannabidiol in Parkinson Disease: An Open Label, Dose-Escalation Study. Cannabis Cannabinoid Res. 2020;5(4):326-336. 

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