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20/Jan/2021

CBD kann die Symptome von Fibromyalgie, vor allem schmerzbezogene Beschwerden, reduzieren. Das zeigt eine Online-Umfrage mit 2.700 Teilnehmenden, hauptsächlich aus den USA, die an Fibromyalgie leiden. Die Befragung macht ebenfalls deutlich, dass die Verwendung von Cannabidiol (CBD) bei Menschen mit Fibromyalgie weit verbreitet ist. 

Viele Fibromyalgie-Patient*innen greifen auf CBD zurück 

Die anonyme Online-Umfrage wurde von Forschern der Abteilung für Anästhesiologie an der University of Michigan Medical School in Ann Arbor, USA, durchgeführt. Insgesamt gaben etwa 38 Prozent der Befragten an, nie CBD zu verwenden, aber 29 Prozent berichteten über die frühere Einnahme von CBD und 32 Prozent über den aktuellen CBD-Gebrauch. Somit haben mehr als 60 Prozent der Befragten Cannabidiol ausprobiert oder nutzen es noch. 

Die Personen, die CBD einnehmen, leiden meist an Fibromyalgie-Symptomen, die nicht ausreichend durch ihre weitere Therapie gelindert werden. Die Patient*innen, die CBD nicht nutzen, gaben als Grund dafür vor allem Sicherheitsbedenken an. 

Zwei Drittel der befragten Patient*innen, die CBD einnehmen, informierten ihren Arzt darüber. Bemerkenswert ist, dass lediglich 33 Prozent medizinischen Rat zur Verwendung von CBD einholten. Die Teilnehmenden verwendeten CBD gegen zahlreiche Fibromyalgie-Symptome, am häufigsten bei Schmerzen. Dabei erreichte CBD leichte bis starke Verbesserungen in allen Symptombereichen. Etwa die Hälfte der befragten Personen berichteten über geringfügige Nebenwirkungen. 

Fibromyalgie – was ist das? 

Fibromyalgie bedeutet häufig stärkste Schmerzen, Erschöpfung, Schlafstörungen und nicht selten psychische Leiden. Die Symptome des chronischen Schmerzsyndroms sind vielfältig und von Person zu Person sehr unterschiedlich. Viele Betroffene haben große Schwierigkeiten, ihren Alltag zu meistern, und der Leidensdruck ist sehr hoch. Einige Studien haben bereits gezeigt, dass die medizinische Anwendung von Cannabis eine günstige Wirkung auf die Symptome haben kann. 

Die Erkrankung zeigt sich durch Muskel- und Bindegewebsschmerzen, die sich besonders an bestimmten Schmerzpunkten (Tender Points) äußern. Die Schmerzen können am gesamten Körper auftreten, zeigen sie aber meist in der Nähe der Gelenke. In Deutschland sind 2 Prozent der Bevölkerung von dem chronischen Schmerzsyndrom betroffen, Frauen sechs bis sieben Mal häufiger als Männer. 

Die Ursache der Erkrankung ist ungeklärt, medizinische Fachleute gehen aber davon aus, dass eine genetisch bedingte Krankheitsanfälligkeit eine Rolle spielt. Darüber hinaus können Traumata wie beispielsweise Misshandlungen im Kindesalter, aktuelle psychische Belastungen oder chronische psychische Belastungen wie Stress die Entstehung fördern. 

 

Quelle: 

Boehnke KF, Gagnier JJ, Matallana L, Williams DA. Cannabidiol Use for Fibromyalgia: Prevalence of Use and Perceptions of Effectiveness in a Large Online Survey. J Pain. 2021 Jan 2:S1526-5900(20)30117-6. doi: 10.1016/j.jpain.2020.12.001. Epub ahead of print. PMID: 33400996. 

Photo by Annie Spratt on Unsplash


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13/Jan/2021

Cannabidiol (CBD) kann Parkinson-Patient*innen Linderung verschaffen. Das zeigt eine Studie der Abteilung für Neurologie der University of Colorado School of Medicine in Aurora (USA). So reduzierten sich die motorischen Symptome der Erkrankung, aber auch der Nachtschlaf und emotionale Störungen verbesserten sich deutlich. Bei einigen Teilnehmenden der Studie erhöhten sich allerdings die Leberwerte aufgrund der hohen Dosierung. 

Menschen mit Parkinson können von CBD profitieren 

In der Studie erhielten 13 Personen mit Morbus Parkinson und substanziellem Ruhetremor pflanzliches, hochgereinigtes CBD (Epidiolex; 100 mg/mL). Der CBD-Extrakt wurde von 5 bis 20-25 mg pro Kilogramm Körpergewicht titriert und über 10 bis 15 Tage beibehalten. Die Patient*innen hatten ein Durchschnittsalter von 68 Jahren. 

Alle 13 an der Studie Teilnehmenden berichteten über leichte Nebenwirkungen, wie Durchfall (85 %), Somnolenz (69 %), Müdigkeit (62 %), Gewichtszunahme (31 %), Schwindel (23 %), Bauchschmerzen (23 %) und Kopfschmerzen, Gewichtsverlust, Übelkeit, Anorexie und gesteigertem Appetit (jeweils 5 %). Erhöhte Leberenzyme traten bei fünf Personen auf, das entspricht 38,5 Prozent der gesamten Gruppe. 

Drei Personen brachen die Studie aufgrund von Unverträglichkeiten ab. Die restlichen zehn erzielten eine Verbesserung der Gesamt- sowie der motorischen Werte. Weitere positive Ergebnisse waren, dass sich der nächtliche Schlaf sowie emotionale oder verhaltensbedingte Kontrollstörungen signifikant verbesserten. Die Wissenschaftler kommen daher zu dem Ergebnis, dass CBD in Form von Epidiolex bei Morbus Parkinson wirksam sein kann. Die relativ hohe Dosis, die in dieser Studie verwendet wurde, war aber auch mit Erhöhungen der Leberenzyme verbunden.  

Morbus Parkinson 

Morbus Parkinson ist nach Alzheimer die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. In Deutschland sind ungefähr ein Prozent der über 60-Jährigen von der unheilbaren Krankheit betroffen. Die medizinischen Behandlungsmöglichkeiten sind begrenzt. Die Therapie zielt vor allem darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu erhöhen.  

Zu Beginn der Erkrankung sind die Symptome unspezifisch. Dazu gehören Schmerzen im Schulter-, Nackenbereich oder im Rücken, außerdem die Verlangsamung und Abnahme der Bewegungen. Hinzu kommt ein einseitig beginnender Ruhetremor. Im Verlauf der Erkrankung verändert sich das Gangbild. Die Betroffenen beugen sich nach vorn und machen nur kleine, kurze Schritte. 

Neben den motorischen Beschwerden können auch Schlafstörungen, Schmerzen in Muskeln und Gelenken sowie depressive Verstimmungen auftreten. Später können Affektlabilität, Apathie, Angststörungen und Demenz hinzukommen. Diese nicht-motorischen Symptome sollten nicht unterschätzt werden, da sie die Lebensqualität der Patient*innen oft stark einschränken. 

 

Quelle: 

Leehey MA, Liu Y, Hart F, Epstein C, Cook M, Sillau S, Klawitter J, Newman H, Sempio C, Forman L, Seeberger L, Klepitskaya O, Baud Z, Bainbridge J. Safety and Tolerability of Cannabidiol in Parkinson Disease: An Open Label, Dose-Escalation Study. Cannabis Cannabinoid Res. 2020;5(4):326-336. 

Photo by Hugo Delauney on Unsplash


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17/Dez/2020

In Deutschland leiden Schätzungen zufolge bis zu neun Millionen Menschen unter Migräne. Dabei sind Frauen häufiger betroffen als Männer. Obwohl die Migräne zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen zählt, sind die Ursachen bislang noch nicht vollständig geklärt.

Per Definition handelt es sich bei der Migräne um eine Kopfschmerzart, bei der zeitweise eine Funktionsstörung im Gehirn auftritt. Infolge dessen entsteht eine gesteigerte Nervenerregbarkeit. Außerdem werden vermehrt schmerzauslösende Botenstoffe im Gehirn freigesetzt, sodass sich die Gefäße im Gehirn vorübergehend entzünden.

Die Symptome der Migräne äußern sich durch einen anfallsartigen, pulsierenden und häufig halbseitigen Kopfschmerz. Oftmals leiden Betroffene auch unter vegetativen Symptomen wie Übelkeit/Erbrechen sowie eine Geräusch- oder Lichtempfindlichkeit.

Ungefähr 15 Prozent der Betroffenen leiden zusätzlich unter einer Aura-Phase, die vor den eigentlichen Kopfschmerzen auftritt. In einigen wenigen Fällen treten nach der Aura-Phase auch keine Kopfschmerzen auf. Zu den Symptomen in der Aura-Phase gehören Lichtblitze, Doppelbilder, Blendungsgefühle, Gesichtsfeldausfälle, Sprachstörungen und/oder motorische Störungen. Möglich sind auch Wahrnehmungsstörungen, wie zum Beispiel Störungen des Farbsinns oder eine Vergrößerung/Verkleinerung von Gegenständen.

Migräne: Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten

Bei leichten und mittelschweren Migräneattacken sind laut der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) Schmerzmittel wie Ibuprofen, ASS, Naproxen und Diclofenac wirksam.

Bei schweren Migräneattacken kommen Triptane zum Einsatz, deren Einnahme oft mit unangenehmen Nebenwirkungen einhergeht.

Auf der Suche nach neuen Behandlungsmöglichkeiten sind cannabinoidhaltige Arzneimittel in den letzten Jahren immer weiter in den Fokus der Wissenschaft gerückt. Verschiedene Untersuchungen legen nahe, dass Cannabinoide, insbesondere Cannabidiol (CBD) bei akuten Migräneattacken hilfreich sein könnte. Unterstützt wird diese Annahme auch durch verschiedene Erfahrungsberichte und Umfragen.

Neue Umfrage unter Migräne-Patienten

Die Forscher der Universität von Colorado in Boulder (USA) führten eine Online-Umfrage mit 161 Migräne-Patienten durch, die legalen Zugang zu Cannabis haben. Ziel der Umfrage war es, das Muster des Cannabiskonsums und die damit verbundene Verbesserung der Migräne zu untersuchen.

76 Prozent der Teilnehmer befürworteten die Verwendung von Cannabis zur Behandlung ihrer Migräne und 70 Prozent der Teilnehmer nutzten neben Cannabis auch rezeptfreie Schmerzmittel sowie Triptane.

Im Ergebnis heißt es, dass die Migräne-Patienten, die Cannabis nutzten, von stärkeren Attacken berichteten im Vergleich zu Patienten, die kein Cannabis konsumierten. Im Vergleich zu Schmerzmitteln habe Cannabis laut den Teilnehmern signifikant besser gewirkt.

Am Ende führen die Forscher aus, dass Migräne-Patienten ein hohes Maß an Symptomlinderung durch die Verwendung von Cannabis erfahren. Zukünftige Studien seien erforderlich, um die Cannabisformen, -potenzen und -dosierungen zu bestimmen, die bei der Behandlung von Migräne am effektivsten sind.

Quelle:

Gibson LP, Hitchcock LN, Bryan AD, Bidwell LC. Experience of migraine, its severity, and perceived efficacy of treatments among cannabis users. Complement Ther Med. 2020 Nov 20;56:102619. doi: 10.1016/j.ctim.2020.102619. Epub ahead of print. PMID: 33227352.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33227352/


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09/Dez/2020

Gleich zwei wichtige Urteile innerhalb kürzester Zeit schaffen Bewegung in die Cannabis-Branche. Ende November schaffte zunächst das Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) Klarheit in Bezug auf den Verkauf von CBD-Produkten. Hierin heißt es, dass Cannabidiol (CBD) nach dem gegenwärtigen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse, anderes als Tetrahydrocannabinol (THC), offenbar keine psychotropen Wirkungen oder schädliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit hat.

Vergangene Woche hat dann die Suchtstoffkommission der Vereinten Nationen (Commission on Narcotic Drugs, CND) Cannabis offiziell als Substanz mit „medizinischem Nutzen“ anerkannt. Davor wurde Cannabis als Substanz bewertet, die gar keinen oder nur einen sehr geringen Nutzen besitzt. Damit folgt die Suchtstoffkommission der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Mit 27 Stimmen für den Beschluss, 25 Gegenstimmen und einer Enthaltung stimmte die Suchtstoffkommission dann aber dafür, dass Cannabis als Substanz mit medizinischen Eigenschaften eingestuft wird.

Laut einem Medienbericht führte Yann Bisiou (Assistenzprofessor an der Universität Montpellier-III und Experte für Drogenrecht) zu dieser historischen Neubewertung aus:

„Zum ersten Mal seit 1916 erkennt man hiermit auf internationaler Ebene an, dass Cannabis von therapeutischem Interesse ist. Seit einem Jahrhundert haben internationale Übereinkommen zu Drogen stets unterstrichen, dass diese Substanz gefährlich und ohne jeden medizinischen Nutzen ist. 2020 erklärt die UNO dann, dass das Gegenteil der Fall ist.“

Jürgen Neumeyer vom Branchenverband Cannabiswirtschaft kommentierte die Neueinstufung wie folgt:

“Nach diesem internationalen Impuls erwarten wir weltweit Erleichterungen im Umgang mit Medizinalcannabis. Dies begrüßen wir sehr, da Importeure, Anbauer und Distributoren in Zukunft mit weniger bürokratischen Hürden rechnen können.”

Weg in die Legalisierung?

Die Entscheidung der Suchtstoffkommission ebnet noch nicht den Weg für eine Legalisierung von Cannabis in den EU-Mitgliedsstaaten. Cannabis wird nach wie vor als streng zu kontrollierende Substanz geführt, zwar nicht mehr in der höchsten Kategorie IV mit schweren Drogen wie Heroin, aber immer noch in der Untergruppe I gemeinsam mit Drogen wie Kokain und Methadon.

Experten gehen jedoch davon aus, dass die Neubewertung von Cannabis ein kleiner Schritt hin zu Lockerungen sein könnte. Die weiteren Entwicklungen bleiben jedoch abzuwarten.

In Deutschland bleibt der Besitz von Cannabis strafbar. In vielen Bundesländern werden die Ermittlungsverfahren jedoch häufig wegen Geringfügigkeit eingestellt.

Quellen:

https://www.gentside.de/gesundheit/uno-erkennt-medizinischen-nutzen-von-cannabis-an_art20477.html

https://www.dw.com/de/vereinte-nationen-bewerten-cannabis-neu/a-55807237

 

 

 


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02/Dez/2020

Professor Thomas M. Clark von der Universität von Indiana fand bei der Durchführung der Metaanalyse heraus, dass der Cannabiskonsum mit einem Rückgang unterschiedlicher Krebsarten korrelierte, darunter Kopf-, Hals- und Lungenkrebs sowie mit Fettleibigkeit verbundene Krebsarten. Clark stellte aber auch fest, dass der Cannabiskonsum mit einer leichten Zunahme von Hodenkrebs in Zusammenhang gebracht werden konnte.

Trotz der interessanten Ergebnisse führt Clark aus, dass diese nicht unbedingt schlüssig sind. Das sei darauf zurückzuführen, dass die Datensätze eine sehr hohe Heterogenität aufwiesen. Zudem fanden sich für viele Krebsarten keine ausreichenden Datensätze.

Risikofaktor für Krebsarten

Clark bemerkte auch, dass Cannabiskonsumenten tendenzielle eine geringe Rate an Fettleibigkeit zeigten. Dabei ist die Fettleibigkeit ein bekannter Risikofaktor für viele Krebsarten. Außerdem stellte er fest, dass die meisten Cannabiskonsumenten eine geringe Entzündungsrate aufweisen. Auch diese ist ein Risikofaktor für Krebs. Gestützt wird dieses Ergebnis von früheren Forschungsarbeiten, die bereits Zusammenhänge zwischen dem Konsum von Cannabis und einem verminderten Entzündungsrisiko nachgewiesen haben.

Des Weiteren zeigten die Ergebnisse, dass Cannabiskonsumenten tendenziell eine verbesserte Insulinresistenz und damit ein geringeres Diabetesrisiko als Nichtkonsumenten aufwiesen. Auch dieser Zusammenhang könnte zu einem verringerten Krebsrisiko beitragen. Denn eine schlechte Insulinresistenz und ein Diabetes sind mit einem höheren Krebsrisiko verbunden, ebenso mit einem schnelleren Krebswachstum.

Als Fazit fasste Professor Clark zusammen:

“Die aktuelle Analyse unterstützt nicht den durchschnittlichen Freizeitkonsum von Cannabis als wirksames eigenständiges Heilmittel gegen Krebs. Die Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass die Cannabis-Therapie zu den etablierten Krebsbehandlungsschemata nicht nur die Lebensqualität von Krebspatienten erheblich verbessert, sondern auch die Wirksamkeit der Behandlung verbessern könnte, ohne das Tumorwachstum zu stimulieren.”

Weiter führte Clark aus, dass der Cannabiskonsum womöglich die krebsbedingte Todesrate in den USA (jedes Jahr versterben dort rund 600.000 Menschen an Krebs) senken könnte. Allerdings würden die verfügbaren Daten wenig Vertrauen in diese Schlussfolgerung geben. Denn es scheint verschiedene Reaktionen unter den Krebsarten zu geben. Zudem würden für viele Krebsarten keine oder nur wenige Daten vorliegen.

Darüber hinaus stellt Clark fest, dass zwar eine Beziehung zwischen dem Cannabiskonsum und Krebs nachgewiesen werden kann, jedoch keine Kausalität. Deshalb sei bei der Interpretation der Daten Vorsicht geboten.

Quelle:
https://www.liebertpub.com/doi/10.1089/can.2019.0095

 


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26/Nov/2020

Die Rechtslage für den Verkauf von Produkten, die das Cannabinoid Cannabidiol (CBD) enthalten, ist in Deutschland noch immer unklar. Cannabis mit allen seinen Pflanzenteilen ist dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) unterworfen. Da CBD als Wirkstoff nicht im BtMG aufgeführt ist, könnte angenommen werden, dass es damit im rechtlichen Sinne auch nicht als Betäubungsmittel gilt. Allerdings existieren hierzu unterschiedliche Urteile.

Jetzt schafft ein aktuelles Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) jedoch Klarheit. In Frankreich wurden die Unternehmer Sebastien Beguerie und Antonin Cohen-Adad durch das Gericht in Marseille zu einer Freiheits- und Geldstrafe in Höhe von 18 und 15 Monaten sowie jeweils 10.000 Euro verurteilt, weil sie CBD-haltige Liquids für E-Zigaretten aus Tschechien importierten und in Frankreich zum Verkauf anboten. Hier dürfen lediglich die Hanffasern und -samen gewerblich genutzt werden.

Nachdem die Unternehmer Berufung gegen das Urteil einlegten, gelangte das Verfahren am Ende beim EuGH. Dieser sollte die Frage klären, ob die Vermarktung des in einem EU-Mitgliedsstaat hergestellten CBD-Produktes aus der gesamten Cannabispflanze und nicht nur aus Hanffasern/-samen mit dem Unionsrecht vereinbar ist.

Laut einem Bericht entschieden die Richter des EuGHs, dass das französische Gesetz Mitbewerber aus anderen EU-Mitgliedsstaaten benachteiligt. In der Begründung heißt es, dass man sich nicht auf die Warenverkehrsfreiheit beziehen könne, wenn mit Betäubungsmitteln gehandelt wird. Denn eine Vermarktung von Betäubungsmitteln sei in allen Mitgliedsstaaten verboten. Eine Ausnahme stelle der überwachte Handel mit Betäubungsmitteln dar, die der wissenschaftlichen und medizinischen Verwendung dienen.

„Die Bestimmungen über den freien Warenverkehr innerhalb der Union (Art. 34 und 36 AEUV) sind hingegen anwendbar, denn das im Ausgangsverfahren in Rede stehende CBD kann nicht als Suchtstoff angesehen werden“, so das EuGH.

CBD besitzt keine schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit

Weiter erklären die Richter, dass die Begriffe „Suchtstoffe“ und „Droge“ in dem Übereinkommen über psychotrope Stoffe und dem Einheitsübereinkommen über Suchtstoffe definiert werden. Während die Cannabispflanze im erstgenannten Übereinkommen keine Erwähnung findet, ist im zweitgenannten Übereinkommen die Rede von der Pflanze Cannabis Sativa L., woraus die EU-Kommission zog, dass das aus den Blüten und Fruchtständen der Pflanze hergestellte CBD als Betäubungsmittel einzustufen sei.

Diese Interpretation der EU-Kommission widerspreche laut dem EuGH „dem Grundgedanken dieses Übereinkommens und seinem Ziel, die Gesundheit und das Wohl der Menschheit zu schützen“.

„Nach dem gegenwärtigen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse, der zu berücksichtigen ist, hat das in Rede stehende CBD, anders als Tetrahydrocannabinol (gemeinhin als THC bezeichnet), ein weiteres Cannabinoid des Hanfs, offenbar keine psychotropen Wirkungen oder schädlichen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit.“

Für die CBD-Branche ist das Urteil des EuGHs wegweisend, denn zukünftig werden sich sowohl europäische als auch nationale Gerichte hieran orientieren.

Quelle:
https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/apothekenpraxis/eugh-cbd-ist-kein-betaeubungsmittel/?fbclid=IwAR3t-oEnXrFnJLWrGOZCqCKIE6iuQd_DSzR5BPiXndIHn4OYnpkFkdN2GAM

 


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18/Nov/2020

Das Fibromyalgie-Syndrom (Weichteilrheuma) ist eine chronische Schmerzerkrankung. Etwa ein bis zwei Prozent der deutschen Bevölkerung sind betroffen, Frauen sechs- bis siebenmal häufiger als Männer.

Es handelt sich um ein sehr komplexes Schmerzsyndrom, bei dem die Beschwerden sowohl in den Muskeln als auch im Bindegewebe des gesamten Körpers auftreten können. Besonders häufig beklagen Patienten Schmerzen in den Armen, Beinen und im Rücken. Typisch für die Fibromyalgie ist ein Druckschmerz über verschiedenen Schmerzpunkten (Tender Points). Daneben leiden Patienten auch oft unter Schlafstörungen, Erschöpfung, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen und Verdauungsbeschwerden.

Die Ursachen sind bis heute noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass die Schmerzwahrnehmung der Patienten verändert ist, sodass sie Reize schneller wahrnehmen und diesen eine größere Bedeutung geben. Studien geben zudem Hinweise, dass auch die Nervenfasern im Muskelgewebe verändert sein könnten. In vielen Fällen findet sich jedoch keine Ursache bzw. Auslöser der Erkrankung.

Der Einsatz von medizinischem Cannabis bei Fibromyalgie-Beschwerden war bereits Gegenstand von vielen Studien. Da das Endocannabinoid-System unter anderem an der Schmerzwahrnehmung beteiligt ist, könne dies die positiven Resultate aus den Untersuchungen erklären. Zwar sind die Wirkzusammenhänge von Medizinalcannabis und dem Fibromyalgie-Syndrom noch nicht geklärt, die bisherigen Ergebnisse stimmen jedoch positiv.

Cannabisextrakt zeigt Wirkung bei Fibromyalgie-Patienten

Die Public Health School des städtischen Gesundheitsministeriums in Florianopolis (Brasilien) sowie die Bundesuniversität Santa Catarina haben jetzt die Ergebnisse ihrer achtwöchigen klinischen placebokontrollierten Studie veröffentlicht. An dieser Studie nahmen 17 Frauen mit Fibromyalgie teil. Diese erhielten pro Tag ein THC-reiches Cannabisextrakt (24,44 mg/mL THC und 0,51 mg/mL CBD).

In dem achtwöchigen Zeitraum wurden die Patienten regelmäßig befragt und im Vergleich zur Placebo-Gruppe zeigte die Cannabis-Gruppe eine deutliche Verbesserung der Werte Schmerzen, Wohlbefinden, Müdigkeit und Depression. Von starken Nebenwirkungen wurde nicht berichtet.

Die Forscher führen aus, dass weitere Studien mit unterschiedlichen Cannabinoiden durchgeführt werden müssen, um den langfristigen Nutzen beurteilen zu können. Nur so könne das Wissen über die Wirkung von medizinischem Cannabis bei dem Fibromyalgie-Syndrom erweitert werden.

Quelle:
Chaves C, Bittencourt PCT, Pelegrini A. Ingestion of a THC-Rich Cannabis Oil in People with Fibromyalgia: A Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Clinical Trial. Pain Med. 2020 Oct 1;21(10):2212-2218. doi: 10.1093/pm/pnaa303. PMID: 33118602; PMCID: PMC7593796.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7593796/

 


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11/Nov/2020

In Deutschland leiden laut Schätzungen über 320.000 Menschen unter einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (CED) wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Verschiedene Studien haben bereits Hinweise darauf gegeben, dass Cannabinoide bei CED entzündungshemmend und schmerzlindernd wirken können.

Im Mai dieses Jahres veröffentlichte die Lambert-Initiative für Cannabinoid-Therapien an der University Sidney die Ergebnisse ihrer Umfrage zum Thema chronisch-entzündliche Darmerkrankung und die Verwendung von Cannabis. Rund ein Viertel der Australier, die unter Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa leiden, medizieren sich mit illegalem Cannabis. Nur 1,4 Prozent der 838 befragten Teilnehmer bekamen legales medizinisches Cannabis.
Die Forscher führten aus, dass diese Ergebnisse darauf hindeuten, dass Patienten ihre Krankheit mit Medikamenten nicht angemessen behandeln können und deshalb auf der Suche nach alternativen Therapieoptionen seien. Durch die Verwendung von Cannabis konnten die Patienten insbesondere Krämpfe und Schmerzen lindern. Zusätzlich verbesserten sich auch die Schlafqualität und die Angstsymptomatik. Die Stuhlhäufigkeit, -konsistenz und -dringlichkeit verbesserten sich hingegen nur gering.

Aktuelle Umfrage zu CED und Cannabiskonsum

Das Online-Magazin Medical Tribune berichtet über eine aktuelle Umfrage, die von der Klinik für integrative Medizin und Naturheilkunde in Bamberg durchgeführt wurde. Insgesamt wurden 417 CED-Patienten zu ihren Erfahrungen mit Cannabis befragt.

Rund 8 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass sie Cannabis zur Linderung ihrer Beschwerden bereits eingesetzt haben. 16,7 Prozent erklärten, dass ihnen medizinisches Cannabis von ihrem Arzt empfohlen wurde und 5,7 Prozent beantragten die Kostenübernahme. Über den Schwarzmarkt bezogen 82,4 Prozent das Cannabis.

Besonders interessant ist, dass 40 Prozent der Befragten nach subjektiver Einschätzung angaben, dass sie ihre Biologika-Dosis durch die Verwendung von Cannabis reduzieren konnten. 6,7 Prozent setzten ihre Medikamente ganz ab.
Weiter heißt es, dass der häufigste Grund für die Beendigung des Cannabiskonsums zur Beschwerdenlinderung die fehlende Möglichkeit war, legales medizinisches Cannabis zu erhalten. Aus diesem Grund sprachen sich 62,9 Prozent für die Cannabis-Legalisierung aus.

Die Forscher führten zu den Ergebnissen aus, dass der hohe Bezug über den Schwarzmarkt bedenklich sei. Außerdem seien kontrollierte klinische Studien zu medizinischem Cannabis bei CED notwendig.

Quellen:

https://www.medical-tribune.de/medizin-und-forschung/artikel/cannabis-eigentherapie-bei-chronisch-entzndlichen-darmerkrankungen-weit-verbreitet/


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04/Nov/2020

In Deutschland zählen chronische Rückenschmerzen im Lendenwirbelsäulenbereich (Lumbalgien) zu den häufigsten Erkrankungen. Die Ursachen können vielfältig sein. Besonders häufig leiden Patienten unter einer Arthrose der Wirbelgelenke, einer Osteochondrose (verschleißbedingte Veränderungen an Wirbelkörpern und Bandscheibe) sowie einer Bandscheibenvorwölbung.

In vielen Fällen reichen nicht-medikamentöse Therapien und die Gabe von Schmerzmitteln nicht aus, um die Beschwerden effektiv zu lindern. Bei sehr starken Schmerzen kommen dann Opioide zum Einsatz, die erhebliche Nebenwirkungen und ein hohes Abhängigkeitsrisiko bergen.

Verschiedene Studien haben in der Vergangenheit bereits gezeigt, dass Patienten, die Opioide und zusätzlich medizinisches Cannabis einnehmen, ihre Opioiddosis reduzieren konnten. Dies ist möglich, da Cannabinoide die Wirkung von Opioiden verstärken können. Insofern können sich Opioide und Cannabinoide im Rahmen einer Schmerztherapie ergänzen.

Neue Studie liefert positive Ergebnisse

Die Society of Cannabis Clinicians in Sebastopol (USA) hat jetzt die Ergebnisse ihrer retrospektiven Kohortenstudie mit 61 Patienten, die an chronischen LWS-Schmerzen leiden und Opioide einnehmen, veröffentlicht.

Nachdem die Patienten medizinisches Cannabis erhielten, konnten 50,8 Prozent die Opioideinnahme beenden. Dies dauerte im Median 6,4 Jahre (IQR01,75-11 Jahre). Von den 29 Patienten, die ihre Einnahme von Opioiden nicht einstellen konnten, waren neun Patienten in der Lage, die Opioiddosis zu reduzieren. Weitere drei Patienten behielten die Dosis bei und 17 Patienten mussten die Dosis erhöhen.

Die Autoren der Studie erklärten, dass keine Variablen identifiziert werden konnten, anhand dessen messbar war, welche Patienten die Opioideinnahme beendeten. Allerdings nehmen die Autoren an, dass diejenigen, die höhere Dosen Cannabis konsumierten, auch mit größerer Wahrscheinlichkeit keine Opioide mehr zur Schmerzlinderung benötigten.

In ihrer abschließenden Erklärung führten die Autoren der Studie aus, dass der Cannabiskonsum in dieser Langzeitbeobachtungsstudie bei etwa mehr als der Hälfte der Patienten als Alternative zu Opioiden wirkte sowie als Ergänzung zur Verringerung der Einnahme bei chronischen Opioidkonsumenten.

Takakuwa KM, Hergenrather JY, Shofer FS, Schears RM. The Impact of Medical Cannabis on Intermittent and Chronic Opioid Users with Back Pain: How Cannabis Diminished Prescription Opioid Usage. Cannabis Cannabinoid Res. 2020 Sep 2;5(3):263-270. doi: 10.1089/can.2019.0039. PMID: 32923663; PMCID: PMC7480723
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32923663/

 


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08/Okt/2020

Die Forscher der Medizinischen Universität Innsbruck haben jetzt in einer randomisierten kontrollierten Studie getestet, inwieweit das synthetische THC-Präparat Nabilon die nichtmotorischen Symptome (NMS) lindern kann. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse in dem renommierten Fachjournal der American Neurological Assosiation „Annals of Neurology“.

Etwa zwei Prozent der Weltbevölkerung im Alter von über 60 Jahren erkrankt an der neurodegenerativen Erkrankung Morbus Parkinson. Betroffene leiden unter vielfältigen motorischen Störungen wie einem Muskelzittern in Ruhe, Bewegungsarmut, verlangsamten Bewegungen und steifen Muskeln. Hinzu kommt, dass die aufrechte Körperhaltung immer instabiler wird. Daneben können verschiedene nichtmotorische Symptome (NMS) auftreten wie Stimmungsschwankungen, Wahrnehmungs- und Schlafstörungen, Tagesmüdigkeit, geminderte Leistungsfähigkeit, Depressionen und Angstzustände.

Die Forscher führen aus, dass die Belastung der NMS während des Krankheitsverlaufes häufig zunimmt. Es gebe nur wenige Daten aus kontrollierten klinischen Studien zur Behandlung und die verfügbaren Therapieoptionen seien begrenzt.

„Die potenzielle therapeutische Wirkung von Cannabinoiden auf Motorik und NMS bei Parkinson ist ein wichtiges Thema und wird häufig von Patientinnen und Patienten im Behandlungsraum angesprochen“, erklärte die Erstautorin der Studie Marina Peball.

Der Neurologe und korrespondierender Autor der Studie Klaus Seppi erklärte weiter, dass man in der Studie die Wirkung von Nabilon „auf die kontrollierte Behandlung von NMS bei Parkinson randomisiert und doppel-blind sowie Placebo-kontrolliert bei einer hohen Zahl an PatientInnen untersucht“ habe.

Bei Nabilon handelt es sich um ein synthetisches Analogon von Tetrahydrocannabinol (THC), der psychoaktiven Komponente von Cannabis. Nabilon weist ähnliche pharmakologische Eigenschaften auf wie THC.

Ergebnisse der Studie

Bei der Studie wurde ein Entzugsdesign verwendet, nachdem alle Patienten auf Nabilon eingestellt wurden. In den Ergebnissen heißt es, dass die NMS-Belastung unter der Behandlung mit Nabilon abgenommen habe. Insbesondere hätten Ängste abgenommen und die Schlafqualität habe sich verbessert. Außerdem sei die Therapie von den Patienten gut vertragen worden.

„Angesichts der Daten und möglichen Wirkmechanismen können wir sagen, dass Nabilon nichtmotorische Symptome bei Patientinnen und Patienten mit Parkinson zu verbessern scheint“, so die Forscher.

Somit können die Ergebnisse der Studie zu einem besseren Verständnis des Werts von Cannabinoiden für die Behandlung von NMS beitragen. Zudem können die Ergebnisse als Basis für größere kontrollierte, eventuell zu einer Zulassung führender Studien dienen.

Quelle:
https://www.i-med.ac.at/mypoint/news/748324.html


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